Samira und Vahid Subasic, beide Muslime, gehören zu jenen 30’000 Kriegsopfern, die vor rund zehn Jahren in die Schweiz flüchten konnten. Kennen gelernt haben sie sich 1992, als Srebrenica von serbischen Truppen eingekesselt war. «Im ersten Jahr der dreijährigen Belagerung war es ganz schlimm», erzählt Samira Subasic. «Da hatten wir kaum zu essen.» Und ihr Mann, der einst in der bosnischen Armee kämpfte, sagt: «Als die Uno-Truppen die Sicherheitszone schufen, wurde wenigstens die Versorgung besser.»

Doch das Kriegstrauma ging weiter: Am 11. Juli 1995 marschierten serbische Truppen in Srebrenica ein. Samira Subasic konnte mit anderen Frauen und Kindern fliehen: «Meine Tochter Belma war damals 45 Tage alt. Ich war mit ihr zwei Tage unterwegs ohne Essen und Milch», schildert sie die dramatische Flucht. Was sie erlebte, deutet die 30-Jährige nur an, doch sie wird diese schrecklichen Erfahrungen nie vergessen können. Fast beiläufig erzählt sie, dass von ihrer Familie 78 Mitglieder umgebracht wurden, darunter der Vater und zwei Brüder.

Knapp mit dem Leben davongekommen
Vahid Subasic hatte Glück im Unglück: Er irrte mit anderen bosnischen Soldaten während zehn Tagen in den Wäldern umher und wurde bei Scharmützeln mit Serben schwer verletzt. Am Ende seiner Kräfte, stiess der heute 42-Jährige auf ein paar verstreute bosnische Armeeangehörige, die ihn zu einem Uno-Posten brachten, wo er medizinisch versorgt wurde.

Nach drei Wochen ohne Kontakt trafen sich die Eheleute in einem Camp auf dem Flughafen von Tuzla. Später fanden sie bei Verwandten in der Nähe Unterschlupf. «Ich war verletzt, wir hatten weder Arbeit noch Geld. Nur gerade von der Caritas erhielten wir Essen», schildert Vahid Subasic die Situation. Weil die Schwester seiner Frau in der Schweiz lebte, wollten sie auch dorthin. Die zwei fanden einen Schlepper, der sie für gut 3000 Franken über Kroatien und Italien in die Nähe der Schweiz brachte, wo sie zu Fuss die grüne Grenze überschritten.

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Arbeit ist praktisch nicht zu finden
Samira Subasic wog damals noch 42 Kilo. «Ich weinte am Anfang viel, ich war mit den Nerven am Ende.» Noch heute ist sie ständig in ärztlicher Behandlung. Die Vergangenheit lastet schwer auf ihr. «Wenn ich hier auf Serben treffe, gehe ich ihnen aus dem Weg», sagt sie. Die Familie, deren Sohn Veldin hier geboren wurde, ist noch immer ohne Arbeit. «Ich möchte am liebsten in einem Alters- oder Pflegeheim arbeiten», sagt Samira Subasic. Doch sie erhielt bis heute nur Dutzende von Absagen. Dieselbe Ablehnung widerfuhr ihrem Mann, der gelernter Bergbautechniker ist. «Dass wir keine Stelle finden, hat bestimmt damit zu tun, dass wir noch immer den Flüchtlingsstatus haben.» Seit kurzem sind zwar Personen mit diesem Status auf dem Arbeitsmarkt gleichgestellt, nur wissen das vermutlich viele noch nicht.

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«Wir wünschen uns nur eins: dass wir endlich definitiv hierbleiben und für unseren Lebensunterhalt sorgen können», sagt Samira Subasic. Die Familie hat hier Wurzeln geschlagen. «Ich habe Bosnien vergessen», so Vahid Subasic, «und meine Kinder kennen sowieso nur die Schweiz.» Der Flüchtlingsstatus bedeutet auch, dass die Familie nicht ins Ausland reisen darf, um etwa Verwandte zu besuchen. «Manchmal», so Samira Subasic, «fühle ich mich in der Schweiz so eingeschlossen wie damals in Srebrenica.»