Manchmal gehen mir die Deutschen auf die Nerven, und dass es hier immer mehr von ihnen gibt, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Als Deutscher schätze ich, dass die Schweiz anders ist als meine Ex-Heimat: bodenständiger, meist höflicher, oft weltoffener und manchmal geradezu exotisch. Ginge es nach mir, müssten nicht unbedingt noch mehr Landsleute kommen - sonst hätte ich ja gleich in Deutschland bleiben können. Zugegeben: Mein Überdruss an der deutschen Allgegenwart erinnert an den Urlauber, der findet, Touristen seien immer die anderen. Nehmen Sie meine Nörgelei also nicht allzu ernst.

Wichtiger ist, welche Ressentiments die neue deutsche Welle beim Rest der Schweiz auslöst. In unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Deutsche Einwanderer: Eine Frage der Einstellung») zeigen wir, wie Politik und Wirtschaft darauf reagieren: eher hilflos. Zwar stimmt es, dass das Wirtschaftswachstum ohne die Einwanderer geringer wäre. Doch das ist ein abstrakter Vorteil, der jemanden, den sein deutscher Chef nervt, kaum aufmuntern kann. Was tun? Die Personenfreizügigkeit wieder einschränken? Das kann sich die Schweiz nicht leisten. Besser wäre es, über die Ängste offen zu sprechen, statt sie zu tabuisieren. Denn was sich jetzt an den Deutschen entzündet, hat wenig mit Fremdenhass, aber viel mit der Furcht vor sozialem Abstieg zu tun. Die Politik ist gut beraten, diese ernst zu nehmen.

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