Berner betrügen, Luzerner lügen, Zugerinnen prellen die Zeche und Schaffhauser schlagen schnell zu. Absurde Vorurteile? Genau. Aber wie wärs damit: Der Senegalese klaut, der Türke scheut die Arbeit, die Mazedonierin schert sich nicht um Rechnungen. Klingt eher vertraut, oder? Welche konkreten Folgen diese nicht minder dummen Vorurteile haben können, zeigt die Beobachter-Titelgeschichte.

Die alltägliche Ausländerfeindlichkeit ist keineswegs ein Randproblem. Rund 1,4 Millionen Menschen hierzulande haben keinen Schweizer Pass. Also jeder Fünfte. Oder gut dreimal so viel wie die Zahl derer, die bei den letzten Nationalratswahlen die SVP gewählt haben.

Ausländerfeindliche Töne werden wieder salonfähig in Europa. Das zeigen die Wahlerfolge von Fremdenhassern in Frankreich, Dänemark oder Holland und die Diskussion in der EU über schärfere Massnahmen gegen Flüchtlinge. Vor diesem Hintergrund erscheinen die auch bei uns üblichen Diskriminierungen gleich in einem weniger milden Licht.

Gewiss, die wenigsten Eidgenossen sind hartgesottene Rassisten. Und nur eine kleine Minderheit der Ausländer wird Opfer massiver Übergriffe. Viele jedoch erleben die oft feinen, aber stets spürbaren Benachteiligungen. Das kann beginnen beim Mobilfunkbetreiber, der vom Kunden ohne Schweizer Pass eine Kaution verlangt, führt über den Vermieter, der keine Ausländer will, und endet vielleicht bei der Behörde, die einem Tunesier trotz 31 Beitragsjahren die AHV verweigert.

Anzeige

Die Schuldigen finden sich in Amtsstuben, in Betrieben, in der Nachbarschaft. Ihre Vergehen bewegen sich oft in einer juristischen Grauzone. Nicht allein dies macht es den Opfern schwer, sich zu wehren. Hinzu kommt oft die Angst, mit einem Protest noch mehr aufs Spiel zu setzen. Ohnehin lässt sich ein entspannteres Miteinander kaum per Gericht erzwingen.

Den Mechanismus hinter der Ausländerfeindlichkeit beschreibt der Psychoanalytiker Mario Erdheim so: «Wer andere abwertet, hat oft das Gefühl, im eigenen Wert zu steigen.» Aber haben Schweizerinnen und Schweizer das wirklich nötig? Wie wäre es, vielleicht als Vorsatz zum 1. August, mit einer Prise mehr Selbstbewusstsein, aber auch einer gehörigen Portion Toleranz und Fairness gegenüber Fremden? Sie ahnen es: Dieser Vorschlag kommt, nehmen Sie es mir nicht übel, von einem Ausländer.

Anzeige