Seit Wochen dringen Bilder in unsere Welt ein, die schwer zu ertragen sind. Bilder von Kriegsflüchtlingen auf Märschen entlang der Autobahn, von Kindern mit müden Augen vor improvisierten Zelten, von jungen fremden Männern mit entschlossenem Blick nach vorn, in ein neues, besseres Leben in Europa.

Die Flüchtlingskrise stellt uns alle vor eine historische Herausforderung. Wir fühlen uns betroffen durch die Bilder des Elends, der Hoffnung Suchenden. Wir möchten helfen, weil viele verzweifelt sind. Und wir möchten «Halt!» rufen, weil es so viele sind und uns das auch Angst macht. Es stellt sich die Frage nach ethischem Handeln: Was bringt der grösstmöglichen Zahl von Menschen auf absehbare Dauer die bestmöglichen Zukunftschancen?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Es gibt nur bessere oder schlechtere Lösungen, jede hat ihren Preis. Sicher ist: Wir werden das Gerechtigkeitsproblem auf der Welt nicht lösen können, indem wir alle Bedürftigen und Schutz Suchenden auf Dauer aufnehmen. Sonst gefährden wir unseren eigenen sozialen Frieden. Zugleich müssen wir handeln, die akute Krise lösen, und das jetzt, möglichst schnell, damit es nicht noch mehr Opfer gibt, damit die Situation nicht eskaliert.

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«Es sind stets die Zeichen der Menschlichkeit, die unsere Welt erst lebenswert machen.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Solange es keine politisch tragfähigen Lösungen gibt, um die Ursachen der Flüchtlingsströme einzugrenzen, kann das nur heissen: Hilfe leisten, so gut es eben geht, und ohne die Integrationsprobleme zu ignorieren. In diesem Heft stellen wir in unserer Titelgeschichte Möglichkeiten dazu vor.

Denn es sind stets die Zeichen der Menschlichkeit, die unseren Alltag, unsere Welt erst lebenswert machen. Menschen, die uneigennützig handeln, wo andere wegschauen, auch wenn sie dafür selber Opfer bringen müssen. Das gilt in allen Bereichen, in der Familie und am Arbeitsplatz genauso wie in Gesellschaft und Politik.

Prix Courage: Bestimmen Sie mit!

Solches Handeln zeugt von Zivilcourage. Darum geht es auch in einer anderen Geschichte in dieser Ausgabe. Die Menschen und ihre Taten, die wir dort vorstellen, hätten zu jeder anderen Zeit genauso das Schaufenster des Titelblatts verdient. Es sind unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den diesjährigen Prix Courage, der Ende Oktober in Zürich verliehen wird.

Sechs Kandidaturen stellen wir Ihnen vor. Eine Frau, die ihr Leben riskierte, um Ebola-Opfern zu helfen, einen Mann, der einen Fleischskandal aufdeckte, einen Priester, der Bootsflüchtlingen half, eine Spaziergängerin, die eine Ertrinkende rettete, ein Ehepaar, das über den Suizid ihrer Tochter sprach, und einen jungen Mann, der einen Betrunkenen vor dem einfahrenden Zug rettete.

Bis am 18. Oktober können Sie unter www.beobachter.ch/prixcourage Ihre Stimme abgeben für die Kandidatur Ihrer Wahl, bevor die Jury unter Leitung von Ständerätin Pascale Bruderer ihre Wertung vornimmt.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Herausforderung: Wie Schweizerinnen und Schweizer Flüchtlingen helfen – und welche politischen Möglichkeiten es gibt» in der aktuellen Beobachter-Ausgabe.

Weitere Themen des Hefts: Prix Courage: Wer war am mutigsten?Der Fall: Eine 60-Jährige verliert ihr Vermögen an einen Betrüger. Kesb: Warum wurde die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zum allgemeinen Hassobjekt?

Der Beobachter 19/2015 erscheint am Freitag, 18. September. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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