Was Peter Haamans im Sommer 2000 passierte, kann jedem Mann passieren: Er hatte eine Affäre mit einer andern Frau. Seine Gattin kannte kein Pardon und leitete nach drei Jahren Ehe die Scheidung ein.

Strafe genug, sollte man meinen. Doch weil sich der 38-jährige Gärtner aus Rudolfstetten in einem Punkt von andern Männern unterscheidet, bezahlt er seinen Fehltritt womöglich noch teurer. Sein Problem: Er ist noch nicht lange genug Schweizer – und läuft deshalb Gefahr, wegen jener rein privaten Angelegenheit seinen roten Pass nachträglich wieder abgeben zu müssen.

Haamans wurde am 2. März 2000 durch Heirat mit einer Schweizerin erleichtert eingebürgert. Spätestens seit diesem Tag, sagt er, «bin ich mehr Schweizer, als ich je Holländer war». Doch trotz vollständiger Integration wurde seine Herkunft wieder zum Thema, als sein längst abgehakter Seitensprung mit dreijähriger Verzögerung den eidgenössischen Beamtenapparat auf Trab brachte: «Wir haben Grund zur Annahme, dass Sie sich die Einbürgerung erschlichen haben», teilte ihm das Bundesamt für Zuwanderung, Integration und Auswanderung (Imes) im August 2003 sec mit.

Das Imes kann innerhalb von fünf Jahren eine Einbürgerung wieder aufheben, wenn es zur Auffassung kommt, dass im fraglichen Verfahren «erhebliche Tatsachen» verheimlicht wurden. Misstrauisch werden die Schweizermacher vor allem dann, wenn sich ein ausländischer Gesuchsteller und seine Schweizer Partnerin trennen, kaum ist der begehrte Pass ausgehändigt.

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Bei Haamans und seiner Exfrau lagen zwischen Einbürgerung und Trennung knappe fünf Monate – keine lange Zeit, aber lang genug, damit eine Laune des Lebens die persönlichen Umstände verändern kann. Haamans beteuert, niemanden getäuscht zu haben. Die Bestätigung im Einbürgerungsverfahren, «eine stabile Ehe ohne Trennungsabsichten» zu leben, habe den damaligen Tatsachen entsprochen. Zum fatalen Seitensprung sei es erst später gekommen.

Keine Bevorzugung von EU-Bürgern
Dass man ihm nun aus dieser zeitlichen Konstellation dennoch einen Strick drehen will, ärgert den Mann, der mit seiner neuen Partnerin einen Sohn hat: «Ich werde als Betrüger hingestellt, ohne dass sich jemand die individuellen Umstände angeschaut hätte.» Denn anders als bei offensichtlichen Fällen von erschlichenen Schweizer Pässen habe er weder vor etwas flüchten müssen noch wirtschaftliche Vorteile in Aussicht gehabt. «Ich musste nicht Schweizer werden», sagt Haamans, «ich wollte es.»

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Den Vorwurf des 38-Jährigen, da werde «mit Kanonen auf Spatzen geschossen», bestreitet Matthias Greuter vom Imes vehement: «Es ist unser Auftrag, allen Hinweisen auf mögliche Missbräuche nachzugehen. Dabei ist es nicht gerechtfertigt, EU-Bürger anders zu behandeln als sonstige Staatsangehörige.» Aktiv wird Greuters Behörde gut 200-mal jährlich – in der Regel wenn von kantonalen oder kommunalen Ämtern Meldungen eingehen, etwa über auffällige Adressänderungen. Im letzten Jahr wurden rund 50 Einbürgerungen nachträglich für nichtig erklärt.

Haamans hofft indessen, dass sich das Bundesamt in seinem Verfahren einsichtig zeigt. Falls nicht, will er sich schon bald wieder zurückmelden: 2004 wird er die nötigen zwölf Wohnsitzjahre in der Schweiz vorweisen können, um eine ordentliche Einbürgerung zu beantragen. Das Schweizersein ist dem Holländer noch nicht verleidet.

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