Wer in der Schweiz Asyl beantragen will, muss sich in einem der fünf Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) des Bundes melden. Sie stehen in Basel, Chiasso, Kreuzlingen, Vallorbe und Altstätten. Dort registrieren 130 Mitarbeiter des Bundesamts für Migration die Asylsuchenden, fragen nach Gesundheitszustand, Fluchtroute und Fluchtgrün­den. Drei von vier Asylsuchenden geben keine Papiere ab, was die Identifizierung er­schwert, manchmal sogar verunmöglicht.

Die Betreuung der Asylsuchenden hat das Bundesamt für Migration ohne Ausschreibung direkt der Firma ORS übertragen. Das war illegal, befand der Bundesrat Anfang März 2012. In Zukunft müssen die Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden. Der Betrieb der fünf Zentren kostet jährlich 44,2 Millionen Franken. Letztes Jahr ist die Zahl der Asylgesuche gegenüber dem Vorjahr um rund 45 Prozent auf 22'551 gestiegen. Das ist der höchste Gesuchseingang seit 2002, aber nur halb so viel wie im Jahr 1999. Wichtigstes Herkunftsland war Eritrea, gefolgt von Tunesien und Nigeria.

Die Zentren sind überfüllt. Im Empfangszentrum in Basel mussten vergan­genen Dezember Asylbewerber auf der Stras­se übernachten, in Vallorbe wurden einzelne abgewiesen. In Kreuzlingen sind zusätzlich zu den 300 Zentrumsplätzen rund 60 Asylbewerber während der Nacht in einer Zivilschutzanlage untergebracht. Morgens werden sie mit einem Bus zum EVZ gebracht, wo sie in angemieteten ­Baracken den Tag verbringen.

Der Bund behilft sich mit Notlösungen. Das VBS muss bis in sechs Monaten rund 2000 Plätze in Armeeunterkünften bereitstellen. Bis Ende 2013 sollen weitere 2000 Plätze folgen.

Probleme mit betrunkenen Asylsuchenden

Vor allem die Zentren in Kreuzlingen und Chiasso sind für die Standortgemeinden ein Sicherheitsproblem. Kreuzlingen musste die Sicherheitspatrouillen verstärken, und im Juni forderte die Gemeinde Chiasso in einem offenen Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga, das Empfangszentrum sei aus der Stadt irgendwohin in die Schweiz zu verlegen. Als Grund wurden Probleme mit betrunkenen Bewohnern genannt, eine Gemeindeangestellte wurde im Stadtpark angegriffen. Mitte Februar hat der Tessiner Grosse Rat mit deutlicher Mehrheit einer FDP-Standesinitiative zugestimmt, die vom Bund mehr Sicherheit rund um das Empfangszentrum fordert.

Nach spätestens 60 Tagen werden die Asylsuchenden von den Empfangszentren in die kantonalen Durchgangsheime bzw. -zentren verlegt. Deren Zahl hängt ab von der Grösse des Kantons. Zürich muss mit 17 Prozent am meisten Asylbewerber aufnehmen und betreibt neun Durchgangszentren, Neuenburg drei, der Kanton Zug eines. Einzelne Kantone wie Basel-Stadt oder das Tessin betreiben gar keine Durchgangszentren, sondern bringen die Asylsuchenden direkt in Wohnungen unter. Nach den drängendsten Problemen gefragt, nannten fast alle kantonalen Asylkoordinatoren die Überbelegung sowie forderndes und gewalttätiges Verhalten von nordafrikanischen Asylsuchenden.