Beobachter: Bald wird es wieder Herbst. Was passiert dann mit den Flüchtlingen, die jetzt in Zelten ­leben?
Susanne Hochuli: Sie werden anderweitig untergebracht. Möglichst oberirdisch, falls die Kapazitäten erschöpft sind aber unterirdisch.

Beobachter: Warum der Umweg über die Zelte?
Hochuli: Die oberirdische Unterbringung hat für die Betreuten und die Betreuenden deutliche Vorteile. Die augenfälligsten sind Tageslicht und frische Luft – die brauchen wir alle. Zelte sind in der warmen Jahreszeit mit der notwendigen Infrastruktur eine valable Alternative.

Beobachter: Welche Lösung ist die ­kostengünstigere?
Hochuli: Die oberirdische Unterbringung ist in der Regel etwas günstiger als die unterirdische. Dies mit Blick auf die erhöhten Betreuungs- und Sicherheitsanforderungen unter Tag.

Beobachter: Wie waren die Reaktionen auf das Zeltlager?
Hochuli: Die Reaktionen aus der Politik waren von links bis rechts fast durchwegs positiv. Selbst die Flüchtlingshilfe sieht die Zeltunterbringung als akzeptable Lösung. Es war und ist sichtbar, dass diese funktioniert.

Beobachter: Wieso hat der Aargau so grosse ­Mühe, Flüchtlinge unterzubringen? Haben die Behörden die ­Hausaufgaben nicht gemacht?

Hochuli: Der Kanton Aargau kennt die gleichen Herausforderungen bei der Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden wie andere Kan­tone auch. Unterschiede gibt es bei der Ausgangslage: Es gibt Kantone, die die Infrastruktur beim Rückgang der Asylzahlen reduzieren. Es gibt aber auch Kantone, die sie erhalten. Im Kanton Aargau wurde die Infrastruktur Mitte der 2000er Jahre stark reduziert – das spüren wir heute.

Beobachter: Der ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm ­fordert eine Arbeitspflicht für ­aufgenommene Flüchtlinge. ­Unterstützen Sie diese Forderung?
Hochuli: Es ist das eine, Arbeitspflicht zu fordern. Und es ist das andere, die nötigen Arbeitsstellen zu beschaffen. In diesem Spannungsfeld ist die Forderung von Rudolf Strahm zu sehen. Grundsätzlich ist es richtig, dass Menschen, die dauerhaft hier leben, ihr Auskommen selber verdienen. Das dient letztlich allen – vor allem den Betroffenen selber.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde schriftlich geführt.