Feriz will nur dies: mit seiner Familie in der Schweiz leben, arbeiten und seine Kinder hier in die Schule schicken. Der Kosovo-Albaner ist seit zehn Jahren in der Schweiz. Anfangs arbeitete er als Saisonnier im Gartenbau; später erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung, die jedes Jahr erneuert wurde. Und wie alle Ausländer, die länger als drei Monate in der Schweiz bleiben wollen, braucht auch Feriz einen «Aufenthaltszweck». In seinem Fall ist das die Erwerbstätigkeit.

Im April 1995 erlitt Feriz eine Gehirnblutung und konnte bald darauf nicht mehr arbeiten. Heute ist der 40-Jährige zu 60 Prozent invalid. Deshalb kann er seinen «Aufenthaltszweck» nicht mehr erfüllen. Nun will die Fremdenpolizei des Kantons Zürich seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängern: Es sei nicht absehbar, dass sich Feriz je wieder ins Erwerbsleben eingliedern könne.

Dagegen hat sich Feriz gewehrt, mit finanzieller Hilfe von SOS Beobachter. Der Zürcher Anwalt Marc Spescha zog den Fall bis vors Bundesgericht – vergeblich. Das oberste Gericht ging gar nicht auf den Fall ein; das sei Sache der Kantone. Denn gemäss Gesetz können die kantonalen Fremdenpolizeien weitgehend selber darüber entscheiden, wer die Schweiz verlassen muss und wer bleiben darf. Für Spescha ist der Entscheid politisch motiviert: «Die Richter in Lausanne weigern sich, auf solche kantonalen Entscheide einzutreten, weil sie befürchten, mit ähnlichen Fällen überschwemmt zu werden.»

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Die Fremdenpolizei blieb stur
Trotzdem schöpfte Feriz neue Hoffnung: Seine Frau fand Arbeit als Verkäuferin in einer Autobahnraststätte. Und er hatte einen Teilzeitjob in einem Putzinstitut in Aussicht. Doch Feriz freute sich zu früh: Die Fremdenpolizei befand, 16 Stunden Arbeit pro Woche seien kein Beweis dafür, dass er sich wieder ins Erwerbsleben integriere. Deshalb bleibe es dabei: Er müsse die Schweiz verlassen. Feriz versteht das nicht: «Wir fallen niemandem zur Last und haben nichts Schlechtes getan. Wieso dürfen wir nicht in der Schweiz bleiben?»

Leider ist Feriz kein Einzelfall. Sobald ein Ausländer invalid wird, droht die Ausweisung – selbst wenn er schon seit Jahren in der Schweiz lebt, die Kinder hier in die Schule gehen und auch die Frau hier arbeitet. Anwalt Spescha spricht vom «Drama des erfüllten Aufenthaltszwecks».

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Auf den Fall Feriz angesprochen, bleibt die Zürcher Fremdenpolizei kühl: Seit dem letzten Entscheid habe sich «nichts Wesentliches» verändert. Auf die Frage, was denn eine solche «wesentliche Veränderung» wäre, antwortet Hugo Isenschmid von der Fremdenpolizei: «Wenn Feriz nicht mehr invalid wäre.»