Wer in den Schweizer Bergen Ferien macht, möchte sich wie in der Schweiz fühlen – und nicht wie, sagen wir einmal, in Dresden. Davon geht man auch in Arosa aus, wo 65 Prozent der Gäste aus der Schweiz kommen – und jeder dritte Mitarbeiter in Hotellerie und Tourismus aus Deutschland.

Wie aber verklickert man unseren Nachbarn aus dem Norden, wie man sich im Schweizerland benimmt? Arosa versucht es mit einem Pilotprojekt: In einem halbtägigen Benimmkurs soll den Deutschen «Swissness» beigebracht werden.

Richten soll es ein deutscher Kursleiter, Wolfgang Foerster aus Bad Soden. Was qualifiziert ihn für den Job? «Er spricht aus Erfahrung und kann seine Landsleute davor bewahren, in die gleichen Fettnäpfchen zu treten», erklärt André Salamin, Mitinitiator und Direktor des Hotels Arosa Kulm. Fettnäpfchen gibt es ohne Zahl, will man den Dutzenden Büchern und Knigges zum Thema glauben. «Die deutschen Kollegen haben bei uns einen schweren Stand. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Wir Schweizer können da sehr empfindlich reagieren.» Salamin schickt deshalb rund ein Dutzend Angestellte in den Kurs – gerade noch rechtzeitig vor der Wintersaison.

Leiser sprechen, anders lachen

Reicht ein vierstündiger Crashkurs, um Deutsche «einzuschweizern», Herr Foerster? «Natürlich nicht», gibt der TÜV-geprüfte «Trainer für Gastfreundschaft» freimütig zu. «Aus einem Deutschen einen Schweizer machen zu wollen ist selbst in zehn Jahren nicht möglich.» Foerster muss es wissen: In Konstanz aufgewachsen, absolvierte er in Lausanne die Hotelfachschule und arbeitete in Schweizer Hotels.

Anzeige

Und was sind Coach Foersters ultimative Tipps? Beispielsweise «nie von ‹Fränkli› zu reden». Verkleinerungsformen kämen schlecht an, ebenso das norddeutsche «Tschüss». Oder das knappe «Was kriegen Sie?» anstelle des vorsichtigeren «Was hätten Sie denn gern?». Die Deutschen seien direkter, unverblümter, die Schweizer höflicher, ihre Umgangsformen respektvoller. Daher solle man als Deutscher in der Möglichkeitsform formulieren, das Gegenüber ausreden lassen, ihm nicht ins Wort fallen, leiser sprechen und weniger laut lachen. Anders lachen? Lässt sich das in einem Seminar lernen? «Natürlich nicht», so Foerster. «Ich kann nur Denkanstösse geben.»

Wovon der Trainer jedoch entschieden abrät, ist das «Grüezi». «Aus dem Munde eines Deutschen kann das nur falsch klingen.» Was er als Alternative empfiehlt, könnte jedoch die unter dem Personal zahlreich vertretenen Ostdeutschen irritieren, die im staatlich verordneten Atheismus aufwuchsen: «Grüss Gott!».

Anzeige