Die Tat empörte das ganze Land. An der Fasnacht in Locarno wurde der 22-jährige Damiano T. (Name der Redaktion bekannt) von drei Schlägern in einer Seitengasse zu Tode geprügelt. Von den drei mutmasslichen Aggressoren im Alter von 18, 19 und 21 Jahren ist einer Kroate, die beiden anderen sind Bosnier mit kroatischen Wurzeln, im Tessin aufgewachsen und in der Schweiz eingebürgert.

Der Fall in Locarno ist zwar besonders krass, aber kein Einzelfall. «Die Jugendkriminalität bereitet uns Sorgen. Es wird die Konfrontation gesucht», sagte etwa der Chef der Zürcher Kriminalpolizei Mitte Februar anlässlich der Präsentation der Kriminalstatistik 2007. Überproportional vertreten bei diesen Konfrontationen seien Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere aus dem Balkan.

Die Verrohung mancher Jugendlicher bereitet auch den Betreibern von Bars und Diskotheken Probleme. Die Kontrollen am Eingang werden deshalb immer rigider. «Niemand geht gern in einen Klub, in dem es ständig Probleme gibt», sagt Fabian Bürkli, Betreiber der Diskothek Kettenbrücke in Aarau. «Eine unabsichtliche Rempelei, ein falscher Blick: Es gibt einige wenige Jugendliche, die immer wieder wegen nichts zuschlagen», so Bürkli.

«Apartheid-Klubs»
Das Bedürfnis nach Sicherheit und nach der Gewissheit, feiern zu können, ohne angepöbelt oder gar Opfer einer Gewalttat zu werden, scheint bei vielen Klubgängerinnen und -gängern zu wachsen. Ein Bericht von «20 Minuten» über Berner Klubs, die angeblich nur noch Besuchern mit Schweizer Pass oder C-Bewilligung Eintritt gewähren, löste ein riesiges Echo aus: Die Website der Tageszeitung verzeichnete rund 640 Leserkommentare. Eine grosse Mehrheit begrüsste die Einlasspolitik der von «20 Minuten» als «Apartheid-Klubs» bezeichneten Ausgehlokale. Eine grosse Mehrheit war sich auch einig, wer in den Klubs für Unfrieden sorgt: Personen aus Ex-Jugoslawien, Leute aus dem Balkan.

«Es haben sich wohl eher die negativ eingestellten Leute in den Blog begeben», deutet Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), diesen Umstand. Eine Türpolitik, die die Nationalität zum Kriterium mache, verstosse gegen das Diskriminierungsverbot. Die EKR weise seit langem darauf hin, dass die Debatte über Ausländer in der Schweiz generell von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geprägt sei, Differenzierungen würden nicht mehr gehört.

Der «gesunde» Mix
«Kettenbrücke»-Betreiber Bürkli sieht die Sache pragmatischer: «Wenn die Einlasspolitik der Berner Klubs zielführend ist, finde ich sie okay.» Verständnis äussert auch Arnold Kellenberger, der in St. Gallen das «Downtown» betreibt: «Die Kosten für die Sicherheit steigen ständig.» Kellenberger hat deshalb in seinem Klub das Member-System eingeführt. Zutritt erhalten nur Member und ihre Begleiter: «So kann ich den Mix zwischen Schweizern und Ausländern am besten steuern.»

«Wir haben vielleicht ein- bis zweimal pro Monat kleinere Gewaltvorfälle. Dabei sind in den allermeisten Fällen Personen aus Ex-Jugoslawien beteiligt, aber nicht nur», sagt Ulli Hönow, Marketingverantwortliche des grössten Innerschweizer Klubs, des «Froschkönigs» in Kriens. Trotzdem findet sie es «Quatsch», nur Schweizer oder Personen mit C-Bewilligung einzulassen. Hönow setzt auf einen «professionellen Türkopf», also eine gute Security.

Gar kein Verständnis für eine an der Nationalität orientierte Einlasspolitik hat auch der Marketingleiter des Zürcher Klubs X-Tra, Christoph Burkart: «Ich finde das dégoûtant.» Eine konsequente Ausweiskontrolle ist nach Burkart zweckmässiger. Der Aufwand, den das «X-Tra» für die Sicherheit betreibt, ist allerdings enorm. Am Samstagabend sorgen bis zu 20 Security-Leute für die Sicherheit der Gäste im Klub. Hinzu kommen Videokameras und «weitere Massnahmen», zu denen sich Burkart nicht im Detail äussern möchte.

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