Zwei von zehn Asylsuchenden werden aufgenommen, ein weiterer darf vorläufig bleiben. Doch auch wenn eigentlich klar ist, dass ein Asylbewerber die Schweiz verlassen muss, geht nichts rasch oder problemlos. Zwar kümmern sich rund 60 Leute um die Rückkehr von Asylsuchenden. Trotzdem dauert es vom negativen Asylentscheid bis zur freiwilligen Ausreise durchschnittlich 500 Tage.

In den vergangenen drei Jahren kam es zu insgesamt 7175 selbständigen, kon­trol­lierten Ausreisen. Will heissen: Das Bundesamt für Migration (BfM) hat Kenntnis, dass diese Personen wirklich ausgereist sind; die meisten erhielten eine Rückkehrhilfe von durchschnittlich 1750 Franken. 16'532 Rückführungen verliefen nach der sogenannten Vollzugsstufe 1, also mit polizeilicher Begleitung bis zu einem Linienflug. Durchgeführt werden solche Ausreisen von der zuständigen Kantonspolizei. Diese weitaus häufigste Art der Ausreise kostet pro Person rund 7000 Franken.

Richtig teuer sind die nicht freiwilligen Rückführungen. Die 618 Personen, die in den letzten drei Jahren per Sonderflug in ihre Heimat oder einen Drittstaat ausgeschafft wurden (sogenannte Vollzugsstufe 4), kosteten den Bund gut 16 Millionen Franken – rund 26'000 Franken pro Person.

Wenn der Flugkapitän nein sagt

Bevor eine Rückführung überhaupt durchgeführt werden kann, muss die betroffene Person identifiziert sein. «Das ist häufig schwierig, weil viele Betroffene alles daransetzen, ihre Identität zu verheimlichen», sagt BfM-Sprecher Michael Glauser. Die notwendigen Papiere können oft nur schwer organisiert werden. Gewisse Länder stellen zudem nur für Bürger Ersatz­reisepapiere aus, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren. Manchmal weigern sie sich auch, Personen überhaupt zu identifizieren oder Reisepapiere auszustellen.

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Selbst die Existenz von Papieren bedeutet nicht automatisch, dass die Rückführung gelingt. «Vielfach scheitert sie am renitenten Verhalten der Betroffenen. Das gilt vor allem für Rückführungen auf Li­nien­flügen», sagt Glauser (Vollzugsstufe 2 und 3 in Begleitung von Zivilpolizisten, die Gewalt anwenden dürfen). Verweigert der Flugkapitän das Boarding, kann es sein, dass die Möglichkeiten des BfM ausgeschöpft sind. Denn verschiedene Länder akzeptieren keine Sonderflüge. Zum Teil wird auch die Landeerlaubnis verweigert. Vor anderthalb Jahren etwa musste ein Jet aus Gambia samt Passagieren deshalb wieder in die Schweiz zurückkehren. Kostenpunkt: 110'000 Franken.

Mit Entwicklungshilfe koppeln?

Nachdem Aussenminister Didier Burkhalter Ende Januar Tunesien 24 Millionen Franken Aufbauhilfe für das laufende Jahr zugesichert hatte, wurde die Frage laut, ob die Schweiz künftig solche Zusagen nicht von Rückführungsabkommen abhängig machen sollte. «In der Botschaft über die internationale Zusammenarbeit hat der Bundesrat im Februar aber keinen strikten Zusammenhang beschlossen, der die Entwicklungshilfe immer von der Kooperation bei der Migrationspolitik abhängig macht», sagt Glauser.