Nur fünf Autominuten trennen die Zürcher Gemeinden Fällanden und Dübendorf. Fünf entscheidende Minuten für Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene, die einer dieser Gemeinden zugewiesen wurden.

In Dübendorf erhalten Einzelpersonen 325 Franken pro Monat für Essen, Kleidung, Toilettenartikel – kurz: für alle Dinge des täglichen Bedarfs. Sie müssen alle zwei Wochen jeweils die Hälfte des Monatsgelds persönlich abholen. Bis zu vier Personen unterschiedlicher Nationen leben in einem Zimmer, viele in baufälligen, gemeinde­eigenen Liegenschaften. Eine Toilette für acht Personen ist keine Ausnahme. Dafür behält die Gemeinde von 1050 Franken Kopfpauschale 400 Franken im Monat für Miete – pro Person.

Ganz anders Fällanden. Hier setzt man auf Selbstverantwortung und Integration: Jeder Asylsuchende erhält seine monat­liche Unterstützung von 494 Franken auf ein persönliches Konto ausbezahlt, 169 Franken mehr als in Dübendorf. Einzelpersonen sind möglichst in Einzelzimmern untergebracht, Familien in eigenen Wohnungen. Bei der Wahl der Unterkunft achtet die Gemeinde auf Durchmischung mit der Bevölkerung.

Erstaunlich dabei: Beide Gemeinden erhalten vom Kanton die gleiche Pro-Kopf-Pauschale. Und beide kommen damit aus. «Obwohl wir vergleichsweise grosszügige Regelungen haben, wurde das Gemeindebudget noch nie über die Pauschale hinaus belastet», sagt Lisa Stiefel, Leiterin der Fällander Asyl- und Flüchtlingskoordination.

Ein gutes Geschäft für Dübendorf

Umso mehr bleibt in Dübendorf übrig. Die Gemeinde erwirtschaftet regelmässig einen Überschuss im Asylbereich. Beispiel 2009: Dübendorf erhielt rund 1,1 Millionen Franken an Bundesgeldern. Davon flossen 265'000 Franken als Ertragsüberschuss in den Haushalt der Gemeinde. Im Jahr da­rauf waren es weitere 195'000 Franken.

Möglich macht das die achte Revision des Ausländer- und Asylgesetzes unter Bun­desrat Christoph Blocher. 2008 delegierte der Bund das Unterbringungsproblem gegen Bezahlung einer Globalpauschale an die Kantone. Diese erfüllen den Auftrag unterschiedlich: Im Kanton Zürich etwa muss jede Gemeinde prozentual zu ihrer Bevölkerung Aslysuchende aufnehmen, kann dafür aber mit dem Geld in Eigenregie wirtschaften. Im Aargau, wo der Kanton die Hoheit über die Asylbetreuung hat, können sich Gemeinden, die keine Asylbewerber aufnehmen, mit sieben Fran­ken pro Tag und Kopf freikaufen. Der Ablasshandel hat dem Rüeblikanton allein 2010 rund 700'000 Franken in die Kasse gespült. Andere, etwa der Kanton Obwalden, haben die Betreuung der Asylsuchenden an Hilfswerke wie die Caritas delegiert.

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«Die Tatsache, dass die Kantone vom Bund eine Kopfpauschale erhalten und diese verwenden können, wie es ihnen – respektive ihren Gemeinden – beliebt, führt in vielen Fällen zu Rechtsungleichheit», sagt Beat Meiner, Generalsekretär der Schweizer Flüchtlingshilfe. «Mit allgemeinverbindlichen Regeln könnte solcher Willkür und Ungerechtigkeit der Riegel geschoben werden.»