Die Augen liefern uns 80 Prozent aller Eindrücke, aber nur bei einer Minderheit funktionieren sie einwandfrei. Mehr als die Hälfte der Menschen sieht die Welt fahrig oder verzerrt – zumindest ohne künstliche Hilfsmittel. Was tun? Um das Jahr 1300 schliff man Augengläser aus Beryll, was der Erfindung den Namen gab: Brille. Es folgten Monokel, Nasenzwicker, für Damen Lorgnons mit Stiel.

1887 schliff man die ersten Kontaktgläser, die sich direkt auf der Hornhaut tragen liessen. 1940 folgten Linsen aus Kunststoff, 1960 die biegbaren Linsen. Ab 1990 wird die Schärfe des Auges mit dem Lasik-Verfahren wiederhergestellt. Bei dieser Methode werden Laser eingesetzt. Eine dünne Schicht der Hornhaut wird aufgeklappt, die Unschärfe mit Laserstrahlen korrigiert, dann klappt man die Hornhaut wie ein Pflaster wieder zu. Damit nicht genug: Getrübte Linsen können entfernt und durch Kunststoffimplantate ersetzt werden. Künstliche Augen für Blinde sind mit aufwändigen Operationen und umständlichen Apparaturen verbunden.

Wenn das Sehzentrum im Gehirn intakt ist, der Sehnerv aber die Nervenimpulse nicht weiterleiten kann, ist «Artificial Vision» in der Lage, diese Datenleitung zu übernehmen. Der blinde Mensch trägt eine Brille mit eingebauter Kamera, die die Lichtimpulse in elektronische Signale umwandelt. Ein tragbarer Computer verarbeitet die Signale, die durch Kabel im Hinterkopf zum Sehzentrum im Hirn gelangen. Mit dem Seh-Computer kommen Lichtpunkte als wahres Gewitter im Kopf an – erst nach einiger Zeit können die Eindrücke zusammengesetzt werden. Schwarzweisskontraste sind mit den künstlichen Augen bereits erkennbar.

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