Die Schweiz ist eines der wenigen Länder Europas, in denen Autofahrer mit 0,8 Promille Alkohol im Blut unterwegs sein dürfen. Fast überall sonst gilt die 0,5-Promille-Grenze. Daran dürfte sich so bald nichts ändern. Der Grund: Die Räte haben diesen Sommer beschlossen, dass nicht mehr der Bundesrat, sondern das Parlament die Promillegrenze festlegen soll. Die Landesregierung wollte zuvor die Grenze auf 0,5 Promille senken. Das passte der bürgerlichen Mehrheit nicht.

Wissenschaftlich ist unbestritten, dass das Unfallrisiko ab 0,5 Promille um ein Mehrfaches steigt: Bei 0,6 ist es doppelt und bei 0,8 Promille schon viermal so hoch. Die Zahlen über Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss deuten ausserdem auf eine Zunahme des Blaufahrens hin. Bereits heute ist jeder zehnte Unfall mit Verletzten und jeder fünfte mit Todesfolge alkoholbedingt.

Doch die Mehrheit des Parlaments liess sich von diesen Fakten nicht beeindrucken im Gegenteil. Das Argument, das in der Debatte zum eigentlichen Matchwinner avancierte, lieferte der Schwyzer SVP-Nationalrat Peter Föhn (Bild): «Ein Gläschen in Ehren ist niemandem zu verwehren.» Pikant: Föhn ist von Beruf Bezirksschulverwalter und so verantwortlich für Teenager und Jugendliche. Doch Föhn kennt seine Prioritäten: «Ich bin ganz klar gegen Alkoholkonsum von Jugendlichen», sagt der SVP-Nationalrat. Er setze voll auf Prävention, und die Polizei dürfe bei Jugendlichen hart durchgreifen.

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Dass auch die Senkung der Promillegrenze eine Form von Prävention ist, bestreitet er zwar nicht. Aber: «Ich will meine Wähler nicht kriminalisieren.» Schliesslich will man wieder gewählt werden.

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