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Studenten-NetzwerkErfolg mit dem Schnüggeli-Faktor

Erfolg mit dem Schnüggeli-Faktor
Bild: Getty Images

Die grösste Studenten-Community der Schweiz heisst Students.ch. Was als Garagenunternehmen begann, ist heute ein florierender Betrieb, der zum Sprung nach Europa ansetzt.

von Gian Signorell

Gibt sich so ein CEO, ein Chief Executive Officer? Interviewtermin im Café. Adrian Bührer, der Chef der Amiado AG, legt den iPod und den Schlüssel mit dem obligaten Bändel, Lanyard genannt, auf den Tisch, kreuzt die Beine, setzt ein verschmitztes Lächeln auf und wartet auf Fragen. Zuvor hat er noch beim Kellner, den er duzt, eine Schale bestellt. Es ist Bührers Stammcafé. Hier kehrt er ein, wenn er Erholung braucht von der Arbeit oben in den Räumen der Amiado AG.

Und an Arbeit fehlt es nicht. Das Ausland will erobert werden, vor allem die östlichen Länder. Bührer ist viel unterwegs, und öfter, als ihm lieb ist, nimmt er den Geschäftsanzug vom Bügel. Einiges ist anders geworden, seit er vor acht Jahren an der Uni einen Aushang gesehen hat: «Mithilfe gesucht». «Eine aufstrebende Studenten-Community ohne ökonomischen Hintergrund, das fand ich super», sagt er.

Gesamte Ersparnisse investiert

Die Stimmung war damals kurz nach der Jahrtausendwende alles andere als günstig. Eben war die sogenannte Dotcom-Blase geplatzt, und die Leute waren deshalb eher internetkritisch. Trotzdem wagte Bührer 2002 gemeinsam mit seinen Kumpels Jan Vichr, Frank Renold und Markus Okumus den Schritt: Das Quartett gründete eine GmbH. Bührer: «Ich investierte meine gesamten Ersparnisse von 9000 Franken.» Zwei Jahre später schaffte die Firma die ersten kommerziellen Erfolge, die UBS konnte als Partnerin gewonnen werden. Ein Jahr später bezog die Firma ihre Geschäftsräumlichkeiten im Zürcher Kreis 3.

Dort ist sie immer noch, und das mittlerweile in Amiado AG unbenannte Unternehmen beschäftigt 13 Mitarbeiter und 40 freie Redaktionsmitglieder, betreibt sechs Portale in drei Ländern mit total über 120'000 Mitgliedern, 10'000 Besuchern pro Tag und mehreren Millionen Seitenaufrufen pro Monat. Seit Frühling 2007 gehört die AG zu Axel Springer Schweiz, die auch den Beobachter herausgibt.

Kern des Unternehmens ist das Studentenportal Students.ch. Die Plattform ist ihren Anfängen treu geblieben: «Wir wollten damals vor allem unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen. Das Portal sollte alles rund ums Studium bieten: ein Dach über dem Kopf, einen Job, Ausgehtipps und eine Flirtmöglichkeit.» Students.ch verfügt heute über die grösste WG-Zimmer-Vermittlung und die grösste Jobbörse für Studenten. Und natürlich über eine «Community», ein soziales Netzwerk.

«Der Erfolg von Netzgemeinschaften wie Facebook hat mich selber überrascht», gesteht der Amiado-CEO. Ein Grund für den Erfolg liegt laut Bührer in der viralen Verbreitung: Nutzer laden andere Nutzer ins Netzwerk ein, die dann ihrerseits wieder Mitglieder einbinden. Mit jeder Runde steigt so die Mitgliederzahl um ein Vielfaches.

Und schliesslich ist da eine urmenschliche Eigenschaft, die immer wieder zum Staunen Anlass gibt: die Neugier. Man kann es den Schnüggeli-Faktor nennen. Bührer erklärt es so: Wenn die Nutzer auf ein süsses Profilbild stossen mit Namen «Schnüggeli84», klicken es neun von zehn an, auch die Frauen: «Die Nutzer wollen einfach wissen, was für eine Person sich hinter Schnüggeli84 verbirgt.»

students.ch

Registrierte Mitglieder seit 2006

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Quelle: Amiado
Infografik: Beobachter/dr

Veröffentlicht am 2008 M10 27