1. Home
  2. Konsum
  3. Multimedia
  4. TV-Gebühren: Überfall von der Billag

TV-GebührenÜberfall von der Billag

Wer einen Computer mit Internet hat, muss noch lange nicht TV-Gebühren zahlen. Doch ein Billag-Kontrolleur nimmt das nicht so genau.

von

An einem Novemberabend, es ist nach 19 Uhr, klingelt es zweimal an Lily Roys* Wohnungstür – aber es ist nicht der Pöstler. Ein dunkel gekleideter Kontrolleur der Inkassofirma Billag hält ihr seinen Badge unter die Nase und fragt: «Haben Sie einen Computer mit schnellem Internetanschluss?» – «Ja», antwortet die Kanadierin, die nur schlecht Deutsch versteht und spricht. «Dann ist der Fall klar. Wer einen Internetanschluss hat, muss nach Gesetz Radio- und Fernsehgebühren zahlen», sagt der Billag-Mann.

Mit der Radioempfangs­gebühr hat er zwar recht, die ist laut Gesetz bei schnellem Webanschluss geschuldet. Bei der TV-Gebühr unterschlägt der Kontrolleur aber, dass diese nur zahlen muss, wer zusätzlich Digital-TV-Abon­nent ist oder bei einem Gratis­an­bieter wie Wil­maa oder Zattoo registriert ist. Beides ist bei Lily Roy nicht der Fall.

Der Kontrolleur füllt trotzdem ein Formular aus und hält es der jungen Frau zur Unterschrift hin. Sie unterschreibt, weil sie glaubt, sie bestätige damit nur, dass sie einen Internetanschluss hat. «Haben Sie alles verstanden?», fragt der Billag-Kontrolleur zum Abschied. «Nein, nicht wirklich», sagt die Kanadierin. «Das macht nichts. Sie bekommen einen Brief von der Billag, in dem alles erklärt ist.»

Der besagte Brief entpuppt sich dann als rückwirkende Gebührenrechnung für Radio- und Fernsehempfang – für über 700 Franken. Roy schickt die Rechnung zurück mit der Begründung, sie schaue kein Fernsehen. Doch die Billag bleibt hart. Ohne weitere ­Abklärungen verfügt sie die Gebührenpflicht auch für den Fernsehempfang.

Die Billag krebst zurück

Erst als sich der Beobachter einschaltet, krebst die Inkasso-firma zurück. Die Anmeldung für den Fernsehempfang sei «aufgrund eines Missverständnisses vorgenommen worden», schreibt die Billag und schickt eine korrigierte Rechnung ausschliesslich für den Radioempfang.

Wirklich ein Missverständnis?

Also alles nur ein Missverständnis? Oder lassen die Billag-Vertreter die kontrollierten Personen absichtlich im Unwissen darüber, dass die Fernsehgebühr nur bezahlen muss, wer ein TV-Abonnement besitzt oder einen Anbieter wie Wilmaa nutzt? «Nein», sagt Jonny Kopp, Sprecher der Billag. «Selbstverständlich gehört es zur Beratung des Aussendienstes, die Kriterien für den Empfang via Internet für Radio und TV zu erklären.» Das gehöre zur Grundausbildung und werde in regelmässigen Coachings behandelt.

Also war es im Fall von Lily Roy nur der Fehler eines einzelnen, übereifrigen Kontrolleurs? Das bleibt durchaus fraglich. Denn die Kontrolleure werden auf Provisionsbasis entschädigt, also pro abgeschlossene Anmeldung.

*Name geändert

Veröffentlicht am 21. Januar 2014