Lange war die Welt für die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims Domicil Ahornweg im Stadtberner Länggassquartier in Ordnung. Dann wechselten in der gegenüberliegenden Häuserzeile die Besitzverhältnisse. Aus Mietwohnungen wurden Eigentumswohnungen. Die Neueigentümer der Liegenschaften liessen am Ahornweg ein Fahrverbot aufstellen. Absurde Folge: Die Zufahrt mit einem Fahrzeug zum Haupteingang des Heims steht jetzt unter Strafe. Angehörige etwa, die nach dem Sonntagsausflug ihre Eltern mit dem Auto zum Eingang bringen, riskieren eine Busse.

Für die Einhaltung des Verbots sorgen einige der Anwohner gleich selber und melden Verstösse umgehend der Polizei. 90 Franken etwa wurde Erwin Zosso los, wegen «Missachtens eines richterlichen Verbots mit Personenwagen». Dabei wollte er nur kurz seine Mutter besuchen. Zosso: «Das finde ich ziemlich daneben.»

Möglich wurde das Verbot, weil es sich beim Ahornweg um eine Privatstrasse handelt und das Zufahrtsrecht des Altersheims im Grundbuch nicht geregelt ist. «Das Verbot ist für die Betagten extrem störend. Auf die Dauer kann ein Heim so nicht weiterbetrieben werden», beklagt sich Ursula Wamister, Mitglied der Geschäftsleitung der Heimbetreibergesellschaft Domicil. Zudem sei ein dringend nötiges Umbauprojekt blockiert, weil die Handwerker nicht zum Haus kommen.

Gespräche verliefen im Sand

Das Verbot sei das letzte Mittel gewesen, nachdem Gespräche nichts gefruchtet hätten, sagt stellvertretend für die Wohnungsbesitzer Daniel Hofmann von der Baumann Verwaltungen und Treuhand AG. Die Eigentümer hätten sich an wild parkierten Autos und lärmenden Lieferanten gestört.

Damit nun aber auch in Sachen Nachbarschaftszwist Ruhe einkehrt am Ahornweg, müssten sich wohl beide Parteien ein Stück weit entgegenkommen.

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Quelle: Peter Mosimann