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NachhaltigkeitFesttage für die Umwelt

Weihnachten
An Weihnachten bewusst auf Nachhaltiges zu setzen, ist nicht allzu kompliziert. Bild: Thinkstock Kollektion

Nachhaltig festen macht keinen Spass? Quatsch. Wir zeigen, wie man mit einfachen Faustregeln ökologisch korrekt über die Festtage kommt.

von Denise Jeitziner

Ökologisches Denken ist längst alltäglich geworden. Umweltbewusste pendeln mit dem Zug zur Arbeit, trennen ihren Abfall und löschen das Licht, wenn sie es nicht mehr brauchen. Doch wenn die Festtage bevorstehen, möchten auch sie unbeschwert schlemmen, schmücken und schenken. Und schon wird es kompliziert: Welches Fleisch darf es sein? Besser das abgepackte biologische Filet vom Grossverteiler oder das konventionelle vom Hof in der Nähe? Geht die Ananas zum Dessert? Die blinkende Lichterkette? Das Spielzeug aus Plastik? Und der Christbaum? Künstlich oder echt?

Es ist verzwickt. Zahlreiche Labels verweisen auf oft schwer durchschaubare Standards. Und auch Experten, die unseren ökologischen Fussabdruck berechnen, Ökobilanzen erstellen und Konsumempfehlungen abgeben, gibt es zuhauf. Bloss: Je mehr Informationen wir haben, umso weniger finden wir uns zurecht.

Mit wenig Aufwand zur möglichst guten Lösung

Zum Glück gibt es einfache Entscheidungshilfen, Faustregeln, mit denen man sogar komplexe Konsumentscheide überraschend gut in den Griff bekommt. Die Kunst besteht darin, mit begrenztem Wissen und wenig Aufwand zu einer möglichst guten Lösung zu finden. Mit solchen Faustregeln trifft man zwar nicht immer, aber doch überdurchschnittlich oft eine ökologisch sinnvolle Wahl.

Das Faustregelprinzip wenden viele Menschen im Alltag intuitiv an: Sie wägen nicht alle Argumente ab, sondern konzentrieren sich auf wenige, aber wichtige Aspekte und treffen ihre Wahl dann spontan. Sie entscheiden sich zum Beispiel für den Kinofilm, für den die Freundin schwärmt, und im Restaurant wählen sie dasjenige Menü, das sie sonst auch immer bestellen, weil sie wissen, dass sie damit gut fahren.

Je kniffliger die Frage, desto lohnenswerter ist die Methode. Verschiedene Studien belegen, dass Menschen, die auf diese Weise entscheiden, am Ende zufriedener sind als diejenigen, die lange über Für und Wider brüten.

Eine der simpelsten Faustregeln für umweltbewusstes Einkaufen bezieht sich auf die Ernährung: 

Vier Beine (Rind, Schwein, Schaf) sind problematischer als zwei Beine (Geflügel); die sind schlechter als ein Bein (Pilze). Am unbedenklichsten ist kein Bein (Früchte, Gemüse).

Was kryptisch klingt, ergibt Sinn. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln wie Rindfleisch (vier Beine) oder Geflügel (zwei Beine) belastet die Umwelt stärker als die von Pilzen (ein Bein) oder Obst und Gemüse (kein Bein).

Nach dieser Methode zu entscheiden, ist simpel. Die Schwierigkeit ist bloss, sinnvolle Faustregeln zu finden. Wir haben bei Experten nachgefragt. Und ein paar Faustregeln zusammengestellt, mit denen man ökologisch und guten Gewissens feiern kann.

Faustregeln Trinken

  1. Fair-Trade-Kaffee trinken

    Um eine einzige Tasse Kaffee zu produzieren, sind 140 Liter Wasser nötig. Wer pro Woche vier Kaffees weniger trinkt, spart theoretisch drei Badewannen voll Wasser. Doch den Koffeinschub am Morgen wollen wir nicht missen. Wer Fair-Trade-Kaffee aus nachhaltigem Anbau kauft, tut das Mögliche, ohne auf den Genuss zu verzichten.

  2. Trinken Sie den Wein, der Ihnen schmeckt.

    Für Wein gibt es leider keine Faustregel. Weine mit langen Transportwegen weisen nicht per se eine schlechtere Ökobilanz auf als regionale Produkte - wenn sie in grossen Tanks importiert und erst vor Ort in Flaschen abgefüllt werden. Ein chilenischer Merlot kann eine bessere Ökobilanz aufweisen als das italienische Pendant. Das steht aber nicht auf dem Etikett. Lassen Sie sich daher beim Weinkauf von Ihrem Geschmack leiten.


  3. Nichts schlägt Leitungswasser

    Leitungswasser ist bis zu 1000-mal umweltfreundlicher als importiertes Mineralwasser und 100-mal umweltfreundlicher als Mineralwasser aus der Region.
Faustregeln zum Getränkekonsum

Faustregeln Fleisch

  1. Fleisch als Delikatesse geniessen

    Für die Fleischproduktion werden enorme Mengen Wasser und Land benötigt. Vegetarier muss man deswegen trotzdem nicht werden: Wer Fleisch bewusst als Delikatesse geniesst, kann sich ruhig hie und da ein Filet oder einen Braten gönnen.

  2. Poulet vor Schwein vor Rind

    Am wenigsten Treibhausgase verursacht die Produktion von Poulet (2,1 Kilo Treibhausgase pro Kilogramm Fleisch), gefolgt von Schweinefleisch (4,5 Kilo) und Rindfleisch (11,5 Kilo - entspricht einer durchschnittlichen Autofahrt von 200 Kilometern). Biofleisch schneidet ökologisch schlechter ab als konventionell produziertes Fleisch, weil dafür mehr Land und Futter benötigt wird. Dafür ist die Haltung tiergerechter.

  3. Nur Schweizer Fleisch essen

    Das Schweizer Tierschutzgesetz zählt weltweit zu den strengsten. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch zum Wohl des Tieres ist Schweizer Fleisch also vorzuziehen.

  4. Mit dem Metzger reden

    Es lohnt sich, einen Metzger zu wählen, der Fleisch aus seiner Region verkauft. Er kennt seine Lieferanten und weiss, wie die Tiere lebten, frassen und getötet wurden.

  5. Nicht nur das Filet essen

    Wer auch Ragout oder Innereien isst, trägt dazu bei, dass ein möglichst grosser Teil des Tiers verwertet wird. Der positive Nebeneffekt: Es muss weniger ausländisches Fleisch importiert werden.
Faustregeln für den Fleischkonsum

Faustregeln Fisch

  1. Möglichst günstigen Fisch mit Label kaufen

    Wie viel ein Fisch aus zertifizierter Fischerei kostet, lässt grob auf den Bestand einer Art schliessen. Gibt es viele Fische, sind sie weniger exklusiv und entsprechend günstiger. Den Fisch kauft man am besten frisch statt abgepackt.

  2. Ganzen Fisch kaufen

    Die Faustregel «Fisch mit Kopf und Schwanz» zielt unter anderem darauf ab, dass man kein Pangasiusfilet aus problematischer asiatischer Zucht kauft.

  3. Keine fliegenden Fische

    Auf frischen Fisch aus Übersee sollte man verzichten, weil er mit dem Flugzeug transportiert wird.


Tipp: Die App «WWF Fischratgeber» (iPhone / Android) zeigt an, welche Speisefische bedenkenlos gekauft werden können.

Faustregeln zum Fischkonsum

Faustregeln Früchte und Gemüse

  1. Schweizer Früchte und Gemüse wählen

    Regional und saisonal lautet die bekannte Maxime. Das spart Transportwege und Energie. Ausserhalb der Saison ist es komplizierter. So haben beispielsweise Äpfel aus Neuseeland nicht zwingend eine schlechtere Ökobilanz als Schweizer Äpfel, die bis in die Sommermonate gekühlt gelagert werden müssen. Aber von Herbst bis Frühling sind Schweizer Äpfel definitiv umweltfreundlicher.

  2. Bei Importware auf Bio setzen

    Bei Obst und Gemüse aus Übersee ist es wichtig, dass es per Schiff und nicht mit dem Flugzeug importiert wurde. Ist die Ware bio, ist diese Voraussetzung erfüllt. Wer sich zwischendurch eine exotische Biofrucht gönnt, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben.


Tipp: Bei swissfruit.ch und gemuese.ch gibt es praktische Saisontabellen im Kreditkartenformat.

Faustregeln für den Obstkonsum

Faustregeln ökologische und fair hergestellte Kleidung

  1. Riechen und fühlen

    Vertrauen Sie Ihrer Nase. Mit Chemikalien behandelte Kleidung dünstet oft aus. Auch die Haptik gibt Aufschluss über die Qualität eines Stoffs.


  2. T-Shirt ab 15, Hose ab 50 Franken

    Ein T-Shirt, das weniger als 15 Franken kostet, kann nicht fair produziert worden sein, eine Jeans unter 50 Franken ebenfalls nicht. Allerdings bedeutet teuer nicht automatisch besser.

  3. Kein Schaf tragen

    Die Produktion von Kunstfasern wie Nylon oder Polyester ist nicht zwingend umweltschädlicher als die von Naturfasern. Im Gegenteil: Konventionelle Schafwolle hat mit die schlechteste Ökobilanz, weil die Tiere grosse Futtermengen und Weideflächen benötigen. Wer eine warme Jacke mit Polyesterfüllung geschenkt bekommt, muss sich also nicht unter der Kapuze verstecken.
ökologische und fair hergestellte Kleidung

Faustregeln Weihnachtsbaum

  1. Lieber 16-mal echt, als einmal künstlich

    Für ein paar Weihnachtstage einen Baum zu fällen, scheint ökologisch wenig sinnvoll. Ein künstlicher Baum ist aber nur dann umweltfreundlicher, wenn er mindestens 17 Jahre im Einsatz ist. Übrigens: Es gibt auch Weihnachtsbäume zum Mieten.

  2. Nur einheimische Bäume

    Etwa eine Million Weihnachtsbäume werden jährlich für Schweizer Stuben gefällt. Bis zu 80 Prozent davon sind importiert, hauptsächlich aus dänischen und deutschen Plantagen, wo oft viel Chemie zum Einsatz kommt. In Schweizer Weihnachtsbaumkulturen sind umweltgefährdende Stoffe verboten.

  3. Nackt auf den Kompost

    Mit Gold oder Silberspray besprühte Weihnachtsbäume sind nicht kompostierbar und landen im Abfall. Lametta muss vor dem Kompostieren entfernt werden.

Faustregeln Beleuchtung

  1. Bienenwachs brennt am besten

    Für die Herstellung von Kerzen aus Paraffin oder Palmöl werden riesige Flächen Regenwald gerodet. Die umweltfreundliche Alternative sind Kerzen aus Bienenwachs.

  2. LED überstrahlt Lichterkette

    Eine Lichterkette mit herkömmlichen Lämpchen hat eine Leistung von 30 Watt. Sie verbraucht damit viel mehr Strom als eine Kette mit LED-Lämpchen und drei Watt Leistung. Sofern eine LED-Lichterkette über die Festtage nicht ständig brennt, verbraucht sie nicht mehr Energie als die Zubereitung des Weihnachtsbratens.
Veröffentlicht am 2015 M12 09