1. Home
  2. Umwelt
  3. Ökologie
  4. Haushaltsgeräte: Adieu, alte Energieschleuder!

HaushaltsgeräteAdieu, alte Energieschleuder!

Bild: Thinkstock Kollektion

Reparieren oder ersetzen? Diese Frage stellt sich, wenn die Waschmaschine oder der Kühlschrank defekt ist. Zum Glück gibt es clevere Entscheidungshilfen.

von Üsé Meyer

Zur Wegwerfgesellschaft will niemand ­gehören. Stets versucht man, umwelt­bewusst zu handeln. Und dann sagt einem die WWF-Ratgeber-App, dass man seinen erst sechs Jahre alten, völlig intakten Tumbler entsorgen und durch einen neuen ersetzen soll? Irritierend! Und dennoch richtig.

Bei den grossen Haushaltsgeräten und insbesondere bei den Wäschetrocknern hat die Technik in den letzten Jahren derartige Fortschritte gemacht, dass ein Ersatz aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, selbst wenn das Gerät noch einwandfrei funktioniert. Moderne Tum­bler verbrauchen viel weniger Strom als ältere. Deshalb ist ein Ersatz selbst unter Berücksichtigung der grauen Energie, die im neuen Gerät steckt, sinnvoll.

Bezieht man neben dem ökologischen noch den finanziellen Aspekt in die Entscheidung ein, sieht die Sache etwas anders aus. Dann lohnt sich der Ersatz eines Grossgeräts in der Regel erst bei einem Defekt – und auch nur, wenn die Reparaturkosten im Vergleich zum Neupreis eines Topgeräts zu hoch sind, wie die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz (SAFE) errechnet hat. Dabei spielt das Alter des Geräts eine Rolle: Je älter es ist, desto mehr Strom verbraucht es im Normalfall. Ein neues Topgerät ermöglicht erhebliche Einsparungen beim Strom. Die teure Reparatur eines alten Geräts lohnt sich dann nicht, wenn, über die gesamte Lebensdauer betrachtet, Anschaffung und Betrieb eines neuen Modells weniger kosten.

Einen Überblick zur Frage «Reparieren oder ersetzen?» liefert die WWF-Ratgeber-App. Sie errechnet, ob sich ein Austausch lohnt. Grob gesagt: Wenn ein Haushaltsgerät mehr als 15 Jahre alt ist, lohnt sich der Ersatz, auch wenn keine Reparatur ansteht. Ist eine Reparatur fällig, lohnt er sich meist schon bei zehnjährigen ­Geräten. Zur gleichen Frage hat SAFE einige Faustregeln aufgestellt, die die konkrete Höhe der Reparaturkosten mit einbeziehen:

  • Bei bis zu vier Jahre alten defekten Geräten lohnt sich eine Reparatur nur dann, wenn die ­Kosten dafür bei maximal 65 bis 80 Prozent (je nach Geräteart) des Neupreises liegen.

  • Für fünf bis sieben Jahre alte Geräte liegt die Grenze bei 35 bis 70 Prozent.

  • Bei Geräten, die acht bis zehn ­Jahre alt sind, lohnt sich die Reparatur nur noch bei Kosten von maximal 30 bis 50 Prozent des Neupreises.

  • Ist das Gerät älter als zehn Jahre, liegt die Grenze bei 10 bis 20 Prozent.

Am einfachsten fällt einem der Entscheid, wenn es um Kühl- und Gefriergeräte geht. Zwei Stu­dien von SAFE und des auf Ökobilanzen spezialisierten Unternehmens ESU-Services haben gezeigt: Bei Geräten, die älter als zehn Jahre sind, lohnt sich der Ersatz durch eines der Energieklasse A+ (oder besser) so oder so – selbst wenn das Gerät noch funktioniert. Hier rechnet sich der Austausch nämlich auch finanziell: Der viel geringere Stromverbrauch schont das Portemonnaie des Käufers auf jeden Fall – ­genauso wie die Umwelt.

Anders ist es bei Computern, Laptops oder Handys. Da in ihnen viel graue Energie steckt und das Stromsparpotential neuerer Geräte ­relativ klein ist, lohnt es sich, die alten Geräte möglichst lange zu behalten.

Graue Energie

Ein Haushaltsgerät verbraucht nicht nur während des Betriebs Energie. Bis es im eigenen Haus steht, hat sich der «ökologische Rucksack» des Kühlschranks oder der Waschmaschine schon beträchtlich gefüllt. Dabei spricht man von «grauer Energie». Gemeint ist der Energieaufwand, der für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung des Geräts benötigt wird. Die Ermittlung der grauen Energie ist für viele Produkte sehr aufwendig und komplex, weshalb man bei der Berechnung oft vereinfachende Annahmen treffen muss. Man kann davon ausgehen, dass in einem Haushalts-Grossgerät rund 1000 Kilowattstunden (kWh) graue Energie stecken. Das ist viermal so viel, wie etwa der Betrieb einer Waschmaschine in einem Vierpersonenhaushalt jährlich verbraucht.

Ungefähr so viel graue Energie steckt in den folgenden Produkten des Alltags:

  • Schokolade (1 Kilo): 2,5 kWh
  • Kopierpapier (500 Blatt, chlorfrei gebleicht): 35 kWh
  • Computer: 3000 kWh
  • Auto: 30'000 kWh

Weitere Infos

www.wwf.ch/effizienz-check: Einfacher Effizienzratgeber zur Beurteilung des richtigen Ersatzzeitpunkts der ­wichtigsten Haushaltsgeräte. Auch als
WWF-Ratgeber-App für iPhone und Android.

www.energieeffizienz.ch: Die Website der Schweizerischen Agentur
für Energieeffizienz (SAFE).

www.topten.ch: Listen mit den energieeffizientesten Geräten und vielen Zusatzinformationen.

www.db.eae-geraete.ch: Die Website von Verbänden der Elektro­gerätebranche bietet unter anderem eine umfangreiche Haushaltsgeräte-Datenbank.


www.energybox.ch: Selbsttest und Ratgeber zum eigenen ­Stromverbrauch.

Veröffentlicht am 2013 M03 05