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Quecksilber-LeuchtenBund durchleuchtet Sparlampen

Experten halten sie für ein «Auslaufmodell» und für giftig: die Energiesparlampe Bild: Getty Images

Die letzten Glühbirnen verschwinden im September aus den Läden. Ihr Ersatz, die Energiesparlampe, gerät derweil in schiefes Licht.

von Claudia Imfeld

Wie giftig sind Sparlampen wirklich? In der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) läuft derzeit eine Test­reihe an, um Menge und Form des Quecksilbers in knapp 70 Typen von Energiesparlampen und -leuchten zu untersuchen.

Das hochgiftige Quecksilber gibt seit Jahren zu reden. Denn zerbricht eine Lampe, entweicht der gasförmige Teil. Dies sei höchst gesundheits­gefährdend, warnen Kritiker. In Deutschland rät die zuständige Bundesbehörde, den Raum für 15 Minuten zu verlassen und gut zu lüften. Erst dann solle die Entsorgung beginnen.

«Panikmache» oder gefährlich

Seit deutsche Medien das Thema erneut beleuchteten, gehen bei der Empa wie beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) Anrufe verunsicherter Konsumenten ein. Beide Stellen warnen vor «Panikmache». Auch das BAG empfiehlt, zu lüften, damit sich das Quecksilber schneller verflüchtige. Aber den Raum verlassen müsse man nicht zwingend, sagt Daniela Oggier. «Wenn in einem Wohnzimmer eine Energiesparlampe kaputtgeht, besteht kein erhöhtes gesundheitliches Risiko – selbst wenn die gesetzlichen Grenzwerte kurzzeitig überschritten werden.» Dennoch rät das BAG, beim Aufputzen Handschuhe zu tragen, um sich vor Schnittwunden zu schützen. Die Splitter sollte man mit Klebeband aufnehmen und in einen luftdichten Behälter legen – und keinesfalls den Staubsauger benutzen. Verkaufsstellen sind verpflichtet, die Lampen und deren ­Reste zurückzunehmen.

Dass Fachleute die Gefährlichkeit des gasförmigen Quecksilbers unterschiedlich einschätzen, erklärt sich Oggier vor allem damit, dass auf verschiedene Studien Bezug genommen wird. «Oft werden die Messungen in Versuchskammern gemacht, in denen sich nur wenige Liter Luft befinden. Dadurch fällt die Konzentration, der ein Mensch ausgesetzt wäre, wesentlich höher aus als diejenige, die in einem Arbeits- oder Wohnraum vorkommen kann.» Das BAG stütze seine Einschätzung auf Studien, die in wohn- und büroähnlichen Räumen durchgeführt wurden.

Alternative: LED-Leuchten

Bleibt die Frage, ob die Lampen wirklich nur so viel Quecksilber enthalten wie gesetzlich erlaubt. Das misst die Empa im Auftrag von Bund und Kantonen nun mit einer neuen ­Methode. Die Resultate sollen Anfang 2013 vorliegen.

Als Alternative zu den umstrittenen Lampen rät Armin Braunwalder von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz zu LED. Er ist überzeugt, dass die Energiesparlampen ein Auslaufmodell sind. «Die LED-Lampen sind zwar teuer, haben heute aber eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren – und kommen ohne Quecksilber aus.»

Veröffentlicht am 2012 M08 14