1. Home
  2. Umwelt
  3. Ökologie
  4. Tourismus: Auszeit vom Automobil

TourismusAuszeit vom Automobil

Bild: Thinkstock Kollektion

Vier Schweizer Ferienregionen nehmen in diesem Sommer am Projekt «Ferien ohne Auto» teil. Vom Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr sollen Gäste und Umwelt profitieren. Probleme gibt es noch mit dem Gepäck.

von Tatjana Stocker

Mit dem Auto in die Ferien zu reisen ist praktisch und bequem. Bloss: Im Stau stehen und sich am Ferienort über verstopfte Strassen und schlechte Luft ärgern bringt nicht den gewünschten Erholungseffekt. Von der Belastung für die Umwelt ganz zu schweigen.

Für bequemes und umweltverträgliches Reisen setzt sich das Tourismusprojekt «Ferien ohne Auto» ein. Es startet Mitte Mai an vier Orten im Schweizer Alpenraum: in Ägerital-Sattel ZG/SZ, in Braunwald GL, in Lenk BE und in Scuol GR. Im kommenden Sommer und Herbst sollen bereits 2000 Gäste neue Angebote wie vereinfachte Anreise, Gepäcktransport oder die Möglichkeit zu nachhaltiger Mobilität vor Ort nutzen. Die Initiatoren hoffen, dass 40 Prozent dieser Gäste auch ohne Auto anreisen.

«Wir erwarten einen Mehrwert für Gäste, Tourismus und Umwelt», sagt Reto Solèr, ein Experte für nachhaltige Entwicklung von Berggebieten, der das Projekt gemeinsam mit dem Umweltwissenschaftler Samuel Bernhard angeschoben hat.

Knackpunkt Gepäck

Was es braucht, damit Feriengäste ihr Auto zu Hause lassen, hat die Studentin Giulia Chiani im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Westschweiz in Siders ermittelt. Ihr Befund: Es reiche nicht, Fahrpläne aufeinander abzustimmen oder Mobilität vor Ort zu garantieren, indem man etwa Elektrovelos bereitstelle. Knack-punkt sei der Gepäcktransport. Er stelle «ein Schlüsselproblem des Tourismus in den Berggebieten» und «eines der grössten Hindernisse auf dem Weg zur Verkehrsberuhigung» dar.

Hoffnung auf die Bahn

Auch eine Untersuchung des Bundesamts für Statistik zum Thema Mobilität hat ergeben, dass bei Reisen mit Übernachtung das Gepäck das häufigste Argument (71 Prozent) für den Gebrauch des Autos ist, knapp vor der Reisezeit (69 Prozent). Der öffentliche Verkehr hingegen punktet in Bezug auf Kosten, Reisegenuss und Sicherheitsempfinden.

«Der Gepäcktransport von Tür zu Tür ist die grösste Herausforderung für uns», bestätigt Reto Solèr. Diese Dienstleistung sei teuer und logistisch schwierig. Und es sei nicht klar, wer sie erbringen solle: die Post, Taxis, die Bahn oder die Hoteliers. An praktikablen Lösungen werde noch gearbeitet. Bereits bieten Hoteliers in den Pilotgemeinden einen Abholservice an.

Hoffnung setzen die Initianten von «Ferien ohne Auto» in die SBB. Diese planen für 2011 einen landesweiten Versuch mit der Abholung und Hauszustellung von Feriengepäck. Allerdings seien derzeit noch nicht alle Kundenbedürfnisse und betriebswirtschaftlichen Aspekte geklärt, sagt Fritz Sterchi, Leiter Kommunikation Personenverkehr bei den SBB. Geprüft werde zudem ein schnellerer Gepäcktransport.

25 Prozent mehr Gäste

Auch die Regionen Goms VS und Oberhasli BE bemühen sich um nachhaltige Mobilität: Von Juli bis September stehen für Feriengäste beidseits des Grimselpasses 60 Elektromietwagen zum Preis von je 60 Franken pro Tag bereit. Das Pilotprojekt ist Teil des Konzepts «Energieregion Goms». Dieses sieht vor, dass die Regionen nicht mehr Energie verbrauchen, als sie selber produzieren können.

Dass nachhaltige Mobilität und Entschleunigung sich auszahlen, zeigt das Beispiel der österreichischen Gemeinde Werfenweng nahe Salzburg, die das Konzept seit 1997 verfolgt. Laut dem örtlichen Tourismusverband verzeichnet sie seither rund 25 Prozent mehr Gäste.

Der Erfolg des «sanften Tourismus» hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der Autofahrer ab, auf Zug und Bus umzusteigen. Denn noch ist das Auto des Schweizers liebstes Transportmittel. Im Ansatz lässt sich aber ein Umdenken ausmachen: Laut einer Umfrage in den «Ferien ohne Auto»-Gemeinden würden rund 40 Prozent der Gäste ganz auf ihr Auto verzichten, sofern das Angebot im öffentlichen Verkehr weiter verbessert wird.

Weitere Infos

 
Projektinformation und Übersicht:

  • www.wwf.ch/ferien

Angebote Destinationen:

 
Weitere Links:

Veröffentlicht am 2010 M05 03