Als er am Muttertag die Frauen und Kinder aus dem Kosovo erblickte, die erschöpft auf der italienischen Seite des Zolls in Chiasso standen, kaufte er ihnen als erstes Gipfeli, Cola und Schoggi. Kaplan Cornelius Koch ist ein Mann der Tat. «Ich versuche umzusetzen, was in der Kirche gepredigt wird.» Koch ist auch ein Mann der Gefühle. «Solche Szenen lösen eine Riesentrauer in mir aus.»

Cornelius Koch ist 58 Jahre alt. Er wurde als Sohn eines Auslandschweizers in Rumänien geboren. Mit acht Jahren kam er in die Schweiz, wo er die ersten Wochen in einem Zeltlager des Roten Kreuzes in Buchs SG verbrachte. 1968 wurde er zum Priester geweiht, seit 1973 setzt er sich wort- und tatgewaltig für Flüchtlinge ein in Aktionen, Veranstaltungen, Medienarbeit.

Von sich selber sagt Koch: «Ich bin ein Freelancer Gottes.» Seine Methoden umschreibt er mit «legal, aber leicht provokativ». Mit dem Bundesamt für Flüchtlinge lebt er in «höflicher gegenseitiger Kritik».

Schlagzeilen machte der Kaplan, als er 1991 eine Gruppe untergetauchter Kurden in Anwesenheit zweier Bischöfe der Öffentlichkeit präsentierte. Ohne Erfolg: Koch und seine Gefährten, Bischöfe inbegriffen, landeten auf dem Polizeiposten und die Kurden schliesslich im Flugzeug Richtung Türkei.

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Kochs Arbeit erschöpft sich jedoch nicht in spektakulären Aktionen. 1987 gründete er in Chiasso das Schweizer Empfangsbüro für Flüchtlinge, auf italienischem Boden. Seither erhalten abgewiesene Flüchtlinge dort Essen, Unterkunft und Rechtsberatung. Das Elend und die Hoffnungslosigkeit seien gross, sagt Koch. Vor ein paar Monaten ist sein Mitstreiter, der italienische Pfarrer Don Renzo Beretta, erstochen worden.

Aggression bekommt auch Koch zu spüren. Er erhalte regelmässig Todesdrohungen, berichtet er. Von Schweizern. Beeindrucken lässt er sich nicht. Zudem sei er Optimist. «Sonst würde ich Bienen züchten und Gedichte schreiben.»