Auf dem Lebensmittelmarkt sind die Ökolabels längst Alltag. Wer aber bei der Wahl von Baustoffen auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit Wert legt, ist überfordert: Rund 10000 verschiedene Substanzen werden auf den Baustellen verwendet. Da verlieren selbst Fachleute den Überblick. «Es kommen laufend neue Stoffe auf den Markt. Die potenziellen Gefahren sind längst nicht immer klar», warnt Architekt und Baubiologe Alfred Rüegg. Zudem zeigen viele Materialien und Stoffe erst nach Jahren ihre schädliche Wirkung, wenn sie Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit und extremen Temperaturen ausgesetzt sind.

«Zwar gewinnt ökologisches Bauen seit fünf Jahren deutlich an Popularität», sagt Felix Meier, Leiter der Abteilung Konsum und Lebensstil beim WWF Schweiz. «Doch es gibt erst ein paar wenige Labels für ökologisches Bauen.» In der Schweiz sind heute vier von Bedeutung: Natureplus, FSC (Forest Stewardship Council), Coop Oecoplan und der Blaue Engel (siehe Nebenartikel «Garantie: Vier Ausweise für Umweltverträglichkeit»).

Grundsätzlich gilt es, zwischen ökologischen und biologischen Kriterien zu unterscheiden. Ökologisch bauen heisst Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Zentrales Kriterium ist die Verwendung von umweltgerecht abgebauten, Energie sparend verarbeiteten Rohstoffen. Heimische Produkte sind ausländischen vorzuziehen, da die Transportwege zumeist kürzer sind.

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Bei der Baubiologie steht die Gesundheit des Menschen im Vordergrund. Baubiologen untersuchen, wie sich die Wohnumgebung auf die Bewohner auswirkt. Materialien und Stoffe gelten dann als einwandfrei, wenn sie ungiftig sind, keine radioaktiven und elektromagnetischen Wellen aussenden und keine Luftschadstoffe abgeben. Als biologische Baustoffe gelten etwa Holz und Kork.

Werden bei ihrer Verarbeitung aber synthetische Schutz- oder andere Mittel zur Oberflächenbehandlung eingesetzt, gelten sie nicht mehr als biologisch. In diesen Fällen ist das vermeintlich natürliche Produkt auch nicht mehr unbedenklich für die Gesundheit. Das Wichtigste ist Transparenz: Nur wenn die Einsatzstoffe lückenlos deklariert werden, können etwa Allergiker erkennen, was sie meiden müssen.

100 Prozent Natur kann aber kein Label garantieren. Natureplus, das im letzten Juni lanciert wurde, verlangt einen Mindestgehalt von 85 Prozent an natürlichen Materialien. «Ein derart hoher Wert wird bei keinem anderen Label gefordert», sagt Felix Meier, der massgeblich an der Entwicklung von Natureplus beteiligt war.

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Mit der verantwortungsvollen Auswahl der Baumaterialien aber ist der Umwelt nur bedingt geholfen. Der Energieaufwand für Bau, Unterhalt und Betrieb von Gebäuden belastet die Umwelt stärker als die Wahl der Materialien. Auch da existiert eine Reihe von Zertifizierungen. Die bekanntesten sind das Minergie- und das Passivhaus-Label (siehe «Zertifikate» auf Seite 46). Hinzu kommt die Energieetikette für Elektrogeräte und Autos.

Geld und Energie lassen sich auch sparen, wenn man gebrauchte Bauteile verwendet. Börsen, die Occasionsbaustoffe anbieten, gibt es in der ganzen Schweiz.

Beim Kauf solcher Materialien sollte die Herkunft genau abgeklärt werden. Bis in die sechziger Jahre baute man noch weitgehend mit natürlichen Materialien. Dann eroberten Kunststoffe und Chemikalien den Baumarkt mit teils fatalen Konsequenzen für Mensch und Umwelt. PCB in Fugen und Kitt erwies sich als Krebs erregend, ganze Häuser wurden unbewohnbar. Auch Asbest verursacht Krebs; die schweizweite Sanierung von Bauten, die einst damit ausgekleidet wurden, ist noch im Gang.

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Noch heute werden reihenweise giftige Baustoffe hergestellt. «Formaldehyd etwa, das Allergien auslösen kann, findet sich unter anderem in Leim und Steinwolle», sagt der Architekt und Baubiologe Alfred Rüegg.

Giftige Baumaterialien schädigen nicht nur die Gesundheit der Bewohner auch die Umwelt leidet. «Über ein Drittel der in der Schweiz ausgestossenen Treibhausgase stammen aus dem Wohn- und Baubereich», sagt WWF-Experte Felix Meier. Neben Transporten sind vor allem Sprays und Lösemittel dafür verantwortlich. Deshalb gilt auch hier: Umweltschutz beginnt im Kleinen.

Weitere Infos

Ein informativer Wegweiser durch den Label-Dschungel:

Wissenswertes über Energie sparende Elektrogeräte:

Bauteilbörsen und ihre Filialen in den verschiedenen Regionen der Schweiz:

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www.bauteilnetz.ch

Homepage des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins:

Buchtipp

Reto Coutalides, Roland Ganz, Walter Sträuli: «Innenraumklima. Keine Schadstoffe in Wohn- und Arbeitsräumen.» Werd-Verlag, 2002, Fr. 49.90