Seit 2014 gilt in der Schweiz das sogenannte Risikoaktivitätengesetz. Es entstand als Folge des tragischen Canyoning-Unfalls von 1999 im Saxetbach, bei dem 21 Menschen starben. Deshalb brauchen heute kommerzielle Veranstalter von Risikoaktivitäten wie Bungee-Jumping, Canyoning oder Hochgebirgs- und Klettertouren eine Bewilligung.

Die mit Abstand populärsten Outdoor-Aktivitäten sind Wandern, Klettern und Touren. Bergschulen erhalten dafür eine Bewilligung, wenn sie nachweisen, dass sie ausgebildete Guides beschäftigen, gutes Material verwenden, ihre Touren umsichtig planen und ein Notfallmanagement unterhalten. Die Anbieterfirma muss Kunden vor der Tour mitteilen, ob sie eine entsprechende Zertifizierung hat.

Geeignete Wanderleitung aussuchen

Wenn das nicht geschieht, sollten Inte­ressierte von sich aus nachfragen, bevor sie ein Angebot buchen. Nicht zuletzt zur Absicherung, falls es zu einem Unfall ­kommen sollte: Die Zertifizierung zeigt nämlich auch, dass die Schule ausreichend versichert ist. Wer darf nun am Berg bei welchem Schwierigkeitsgrad Alpinisten begleiten? Drei Beispiele:

  1. Helen plant mit Freundinnen eine Wochenendwanderung. Sie weiss nicht recht wohin, hat lediglich die Zielregion vorgemerkt. Die Wanderplanung möchte sie jemandem übergeben, der die Gruppe begleitet und Bescheid weiss über Gegend, Leute, Fauna und Flora. Helen engagiert für das Wochenende einen Wanderleiter. Wanderleiter dürfen im Sommer auf Wander- und Bergwegen führen – also auf den gelb und rot-weiss-rot beschilderten Wegen (siehe «Markierungen: Die Farbe weist den Weg»).
  2. Die Firma Meiermüller organisiert jedes Jahr einen Event zur Teambildung. Diesmal ist ein Viertausender geplant: das Breithorn bei Zermatt. Der Weg zum Gipfel führt über Gletscher, die Mitarbeiter müssen angeseilt werden und erhalten einen Pickel – auf einer so anspruchsvollen Route darf nur ein ausgebildeter Bergführer die Leitung übernehmen.
  3. Der Skiklub Bergsonne möchte den Mit­gliedern im kommenden Winter neu auch organisierte Touren abseits der Pisten bieten. Den Auftakt soll ein einfacher Aufstieg machen, der 30 Grad Hangneigung nicht überschreitet. Dazu kann der Klub einen Schneesportlehrer engagieren: Dieser darf Touren bis zu 30 Grad Neigung führen. Später will der Skiklub steiler hinaus und über die Waldgrenze hinweg touren – dafür muss zwingend ein Bergführer gebucht werden. Wenn die Mitglieder mit den Schneeschuhen losgehen möchten, können sie auch im Winter eine Wanderleiterin engagieren: Sie darf unterhalb der Waldgrenze und bis maximal 30 Grad Hangneigung führen.

Anders sieht es aus, wenn der Schweizer Alpen-Club (SAC) oder J+S-Leiter eine Tour anbieten. Diese Tourenleiter fallen nicht unter das Risikoaktivitätengesetz, da sie keine Entschädigung verlangen. Sie müssen sich auch nicht an die 30-Grad-Regel halten und dürfen auch oberhalb der Waldgrenze eine Tour leiten.

Markierungen: Die Farbe weist den Weg

Wanderwege: Gelb

wandern.jpgDie allgemein bekannten Wegweiser finden sich an den meisten Bahnhöfen und führen zu Wanderwegen, die mit festen Schuhen und guter Kleidung problemlos begangen werden können. In der Regel ist auch keine Karte nötig. Beispieltouren: Männlichen–Kleine Scheidegg BE, Strada Alta Leventina TI (SAC-Wanderskala T1)

Bergwanderwege: Weiss-rot-weiss

wandern_Berg.jpgHier braucht es Kondition, gute Vorbereitung und Einschätzung der Teilnehmer, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Erforderlich sind Bergschuhe mit fester Sohle und wetterfeste Kleidung. Eine Karte und/oder GPS hilft bei schlechter Witterung weiter. Ein Restaurant liegt nicht zwingend am Weg. Beispieltouren: Wildhornhütte BE, Bergseehütte UR (Bergwanderungen, SAC-Skala T2); Grosser Mythen SZ, Fründenhütte BE (anspruchsvolle Bergwanderungen, SAC-Skala T3).

Alpinwanderwege: Weiss-blau-weiss

wandern_Alpin.jpgHier ist sehr gute körperliche Kondition erforderlich. Bergerfahrung ist Voraussetzung, ebenso der Umgang mit Seil und Pickel, Höhenmesser und Kompass. Alpine Routen führen durch alpines, oft wegloses Gelände, über Gletscher oder durch Fels mit kurzen Kletterstellen. Bauliche Vorkehrungen wie Fixseile können nicht vorausgesetzt werden und beschränken sich allenfalls auf Sicherungen von besonders exponierten Stellen mit Absturzgefahr. Beispieltouren: Vorder Glärnisch GL, Piz Terri GR, Mischabel-hütte VS (Alpinwanderungen, SAC-Skala T4); Cabane Dent Blanche VS, Bristen UR (anspruchsvolle Alpinwanderungen, SAC-Skala T5).

Detaillierte Infos über die Schwierigkeitsgrade finden Sie auf der Website des SAC: www.sac-cas.ch/...

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