1_00_couchepin.jpgBeobachter: Herr Bundesrat, in welchem Alter gehen Sie in Pension?

Pascal Couchepin: Ich möchte mein Leben lang einer Tätigkeit nachgehen auch nach meiner Zeit als Bundesrat. Ob es ein Berufsleben im Sinn von bezahlter Arbeit sein wird, weiss ich aber nicht.

Beobachter: Können Sie verstehen, dass 60-Jährige ausgelaugt sind und ihre Pensionierung herbeisehnen?

Couchepin: Natürlich. Je nach Beruf kommt die Ermüdung früher oder später.

Beobachter: Dennoch sind Sie für ein Rentenalter 66 oder 67?

Couchepin: Das ist so nicht richtig. Ich bin dafür, dass man die Frage diskutiert. Für die Sicherung der AHV-Zukunft gibt es verschiedene Horizonte. Bis zum Jahr 2010 ist sich der Bundesrat praktisch einig über eine Lösung ohne höheres Rentenalter. Wir müssen aber weiterdenken. Zwischen 2010 und 2025 nimmt die Uberalterung stark zu.

Beobachter: Sie fürchten den Kollaps der AHV-Kasse?

Couchepin: Ohne Gegensteuer ist das Vermögen von heute 21 Milliarden Franken in zehn Jahren aufgebraucht. Und im Jahr 2020 hätte die AHV-Kasse Schulden von 60 Milliarden Franken. Auf der Basis eines realistischen Szenarios der Wirtschaftsentwicklung gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu gehören auch eine um rund vier Prozent erhöhte Mehrwertsteuer oder ein höheres Rentenalter ungefähr im Jahr 2015.

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Beobachter: Es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Warum wollen Sie die AHV des Jahres 2015 jetzt fixieren?

Couchepin: Die zukünftigen Probleme sind weitgehend bekannt; deshalb müssen wir heute Lösungen diskutieren. Falls die Situation dereinst günstiger ist als erwartet, umso besser. Es ist einfacher, auf früher akzeptierte harte Massnahmen zu verzichten als in einer Notsituation kurzfristig handeln zu müssen.

Beobachter: Was passiert mit jenen Menschen, die mit 55 oder 60 Jahren keinen Platz mehr finden in der Arbeitswelt?

Couchepin: Da müssen wir zweifellos Lösungen suchen. Das gilt auch für körperlich stark beanspruchte Berufsleute zum Beispiel für Bauarbeiter.

Beobachter: Ein flexibles Rentenalter ab 62?

Couchepin: Das ist zweifellos eine der Möglichkeiten.

Beobachter: Der Bundesrat hat aber den Betrag gekürzt, um die tiefsten Renten von Frühbezügern aufzubessern.

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Couchepin: Auch das flexible Rentenalter hat ein Finanzierungsproblem. Ich bin der Meinung, dass zu tiefe Einkommen mit Ergänzungsleistungen erhöht werden müssen.

Beobachter: Ist es nicht demütigend, wenn man nach einem langen Berufsleben auf Almosen angewiesen ist?

Couchepin: Ich sehe kein Problem, wenn die Beiträge nach einem guten und einfachen System ausbezahlt werden. Vielen Versicherten werden heute die Krankenkassenprämien verbilligt und niemand empfindet es als Almosen.

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