Das AKW Beznau I ist das älteste der Schweiz. In den letzten Jahren sorgte es wegen Pannen für Schlagzeilen.
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AKWBetriebsbewilligung entziehen bei längerem Stillstand?

Das Atomkraftwerk Beznau I darf nach drei Jahren Stillstand wieder ans Netz. In Frankreich hätte es nach zwei Jahren die Betriebsbewilligung verloren.

von aktualisiert am 06. März 2018

Grünes Licht für Beznau I: Dies hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) am 6. März bekanntgegeben. Die Betreiberin Axpo habe nachgewiesen, «dass die im Stahl des Reaktordruckbehälters gefundenen Einschlüsse keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit haben». Ende März soll das Kraftwerk wieder auf Volllast laufen, berichtet die Axpo erfreut. 

Lange Mängelliste beim Uralt-AKW

Am 13. März 2015 ging Beznau I, ältestes AKW der Schweiz und eines der ältesten weltweit, für eine Jahresrevision vom Netz und sorgt seither mit etlichen Problemen für Schlagzeilen. So passte zuerst der in Japan geschmiedete neue Deckel für den Reaktordruckbehälter nicht. Kurz darauf wurden in einer Ultraschalluntersuchung gegen 1000 herstellungsbedingte Anomalien im Stahl des Reaktordruckbehälters gefunden. 

In der Folge verlangte das Ensi umfangreiche Materialuntersuchungen. Ganze elf Mal wurde die Wiederinbetriebnahme verschoben, 1100 Tage stand das alte Atomkraftwerk still. Kostenpunkt: rund 350 Millionen Franken für Prüfprozesse und den Produktionsausfall. Die Axpo hielt dabei stets daran fest, das alte Kraftwerk wieder in Betrieb nehmen zu wollen und es für die Laufzeit von 60 Jahren am Netz zu lassen. Das würde für das fast 49 Jahre alte Beznau I noch mindestens weitere zehn Jahre bedeuten. Zum Vergleich: das weltweite Durchschnittsalter von AKW liegt bei rund 29,3 Jahren.

Heftige Kritik am Entscheid

Dieser Entscheid des Ensi sorgt für reichlich Kritik. «Heute ist ein schwarzer Tag für die Sicherheit in der Schweiz», so beispielsweise der Kommentar von Nils Epprecht, Projektleiter Strom und Atom bei der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Die Mängelliste des Kraftwerks sei viel zu lang und man prüfe nun rechtliche Schritte. 

Empört reagieren auch Umweltschutzverbände sowie die SP und die Grünen und rufen zu Protestaktionen auf. Die GLP findet das krampfhafte Festhalten der Axpo an Beznau I unverständlich und zweifelt gar an der Rechtmässigkeit des heutigen Entscheids. Sie will noch in dieser Session eine Interpellation einreichen und vom Bundesrat Auskunft verlangen. 

Automatisch Bewilligung entziehen?

Stünde Beznau I im Atomstaat Frankreich, wäre ein Wiederanfahren nach so langem Stillstand nicht so einfach möglich gewesen. Denn ein Gesetz besagt, dass nach zwei Jahren ohne Produktion automatisch die Betriebsbewilligung aussetzt. 

Auch in der Schweiz bestehen Bestrebungen, ein ähnliches Gesetz zu schaffen. Im September 2017 reichte GLP-Nationalrat Beat Flach eine parlamentarische Initiative ein, die mehr Klarheit und Sicherheit für stillstehende AKW fordert. Als Begründung für sein Begehren gibt er unter anderem an, dass der lange Stillstand das Risiko berge, «dass weitere Komponenten des KKW funktionsuntauglich werden (Standschäden, alterungsbedingte Ausfälle)». 

In der Schweiz besitzen alle Atomkraftwerke grundsätzlich eine unbefristete Betriebsbewilligung. Würde man die französische Gesetzgebung auch hier einführen und einem AKW nach langem Stillstand die Betriebsbewilligung entziehen, wäre es aufwändiger, dieses wieder ans Netz zu bringen. Um eine erneute Betriebsbewilligung zu bekommen, müssten wesentlich umfassendere Auflagen erfüllt und Tests gemacht werden als bei einem vorübergehenden Abschalten. Man müsste nicht nur den für den Stillstand verantwortlichen Fehler beheben, sondern eventuell auch ganz andere Bereiche der Anlage auf den neuesten Stand bringen.

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1 Kommentar

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juerg47
Das wahre Problem ist doch nicht primär die zentrale Frage der Beherrschbarkeit der Kernenergie; nein, das Problem liegt in der personellen Ausstattung der unseriös arbeitenden Kontrollbehörde Ensi; die fachlichen und charakterlichen Qualifikationen sind unzureichend und erhöhen das Risiko zusätzlich, weil immer offensichtlicher wird dass die Vertuschung, Mauschelei und Kommunikation falscher Infos in Absprache mit und im Auftrag von Politik und Energielobby System hat und geduldet und kultiviert wird.