CVP-Frauen sind lernfähig. Die einstigen Gegnerinnen der Fristenlösung stimmen dieser nun doch zu. Anders der Präsident der CVP Schweiz, Philipp Stähelin: Stur bleibt der fünffache Familienvater und Thurgauer Ständerat bei seinem Nein.

Vor sieben Jahren hatte er auf das Frauenvolk gehört, als ihm Thurgauerinnen den Marsch bliesen: Er revidierte seine Meinung und stimmte der Einführung der Abtreibungspille Mifegyne zu. «Die Pille ist ein Fortschritt», argumentierte Stähelin 1995, «denn das Medikament ersetzt einen operativen Eingriff.» Als Sanitäts- und Finanzdirektor musste er die Gesundheitskosten in den Griff bekommen – christliche Grundwerte und Parteibüchlein traten in den Hintergrund. Als Stähelin das Lager wechselte, kippte die Mehrheit der Nein-Kantone; Mifegyne wurde in der Schweiz zugelassen.

Doch schon damals ahnte Stähelin Ungemach: «Mifegyne wird die Diskussion um eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs neu entfachen.» Er hat Recht bekommen. Nun an der CVP-Spitze, hat er den partei-internen Streit um die Fristenlösung am Hals. Zu seiner Position von 1995 und jener von heute sagt er: «Abtreibungspille und Fristenlösung sind nicht vergleichbar.» Aber egal, welche Methode angewendet wird – Abtreibung bleibt Abtreibung.