Wie die meisten europäischen Länder kennt die Schweiz schon heute eine so genannte Drittstaatenregel: Asylsuchende, die sich bereits in einem sicheren Land aufgehalten haben, müssen grundsätzlich dort Asyl beantragen.

Die blosse Durchquerung eines Landes galt bisher jedoch noch nicht als Aufenthalt; die Drittstaatenregel wird erst ab einem Aufenthalt von rund 20 Tagen angewendet.

Als indirekter Gegenvorschlag zur SVP-Initiative «gegen Asylrechtsmissbrauch» will der Bundesrat die Drittstaatenregel verschärfen: Wer bereits in einem sicheren Drittstaat war, erhält im Grundsatz kein Asyl mehr in der Schweiz.

Der Unterschied zur Volksinitiative ist die flexiblere und realistischere Ausgestaltung der Regel: Sie wird nur angewandt, wenn ein Nachbarland den Flüchtling auch tatsächlich zurücknimmt. Ist das nicht der Fall, wird ein Asylverfahren durchgeführt.

Ebenfalls nicht angewandt wird die Drittstaatenregel, falls bereits Personen in der Schweiz leben, zu denen der Flüchtling eine nahe Verwandtschaft oder Beziehung hat. Anderseits können Flüchtlinge, die in einem anderen sicheren Land über nahe Verwandte verfügen, zur Weiterreise verpflichtet werden.

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