Genfer sind im Schnitt bei Heimeintritt älter als Glarner – aber auch viel teurer. Bild: Getty Images

Pflegekosten1 Genfer = 2 Glarner

Die Kosten in der Heimpflege variieren von Kanton zu Kanton weiterhin massiv. Wieso?

von Bernhard Raos

Im Kanton Genf kostet ein Tag im Pflegeheim durchschnittlich 398 Franken. Das ist fast doppelt so viel wie im Glarnerland (203 Franken). Pro Jahr macht diese Differenz rund 70'000 Franken aus. Der gesamtschweizerische Schnitt liegt bei 289 Franken täglich; Genf und Glarus bilden die Extreme.

Diese Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für das Jahr 2014 blieben weitgehend unbeachtet. Dabei stehen sie für das Verpassen eines ­erklärten Ziels: Mit der neuen Pflege­finanzierung vor sechs Jahren wurde eine einheitliche Lösung für die ganze Schweiz versprochen. Anfang 2014 ist die Übergangsfrist für die Kantone abgelaufen, der die Kostenunterschiede bisher zugeschrieben wurden.

Mit äusseren Umständen lassen sich die massiven Differenzen nur teilweise erklären: So sind die Genfer beim Heimeintritt im Schnitt 83,3 Jahre alt, die Glarner 81,8. Wer älter ist, braucht in der Regel mehr Pflege – und die ist teurer. Zudem sind Lohn- und Gebäudekosten unterschiedlich hoch.

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Die Romandie pflegt doppelt so lange

Offensichtlich sind die Heimbewohner den Kantonen aber auch unterschiedlich viel wert, zeigt die BAG-Statistik auch. Nur so lässt sich erklären, dass sich der Kanton Jura fast doppelt so viel qualifiziertes Pflegepersonal leistet (Anteil 84,4 Prozent) wie Uri (43,7). Das Durchschnittsalter beim Heimeintritt ist mit 82,4 Jahren exakt gleich.

Nicht nur das: Im Schnitt benötigt ein Pflegeheimbewohner täglich etwa 90 Minuten Pflege. In den Westschweizer Kantonen Jura und Genf sind es aber täglich 150 Minuten; 140 Minuten in der Waadt und in Neuenburg. ­Glarus, Schaffhausen, St. Gallen und beide Appenzell investieren dagegen nur rund 70 Minuten pro Tag.

«An diesen Unterschieden wird sich im föderalistischen Gesundheitssystem auch nichts ändern», fürchtet Eva Strebel vom Heimverband Curaviva.

Nichts geändert hat sich auch an der Entwicklung der Gesamtkosten für die Pflege – sie sind von 2014 auf 2015 um weitere 200 Millionen Franken auf insgesamt 9,7 Milliarden gestiegen.

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Veröffentlicht am May 04, 2017