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Kaminfeger Remo Knechtle isst gerade mit Frau Yvonne und Töchterchen Chiara zu Mittag, als er einen lauten Knall und seinen Nachbarn Hansjörg Widmer rufen hört. Es ist Sonntag, 6. Dezember 2009, in Gontenbad AI. Ein Blick vom Balkon offenbart: Ein Auto hat die Metallbrüstung um den ­Weiher vor dem Haus durchbrochen und beginnt schnell zu sinken. Der Wagen gehört Max und Therese Gerschwiler, beide 80 Jahre alt und ebenfalls Mieter im Haus.

Sofort rennt Knechtle hinunter, Widmer holt ein Seil. «Als wir merkten, dass sie sich nicht selber befreien können, zog ich mein T-Shirt aus und sicherte mich mit dem einen Ende des Seils», sagt der 27-Jährige. «Ich wusste ja nicht, ob ich einen Kälteschock erleiden würde.» Eine sehr vernünftige Überlegung: Die Lufttemperatur betrug an jenem Tag um die fünf Grad, das Wasser war kaum wärmer.

Als Knechtle beim Auto ankommt, ist nur noch wenig Luft darin. Er schafft, was den Senioren nicht gelungen ist – er kann die Beifahrertür öffnen und Therese Gerschwiler herausziehen. Er macht sich um das Auto herum auf zur Fahrerseite, als er merkt, dass der Wagen bereits bis unters Dach gefüllt ist. So muss er auch Max Gerschwiler auf der Beifahrer­seite herausholen.

Kurz nachdem die beiden in Sicherheit sind, treffen Polizei und Rettungsdienst ein. Ohne das besonnene und beherzte Eingreifen von Knechtle wären Gerschwi­lers laut Kantonspolizei wohl ertrunken. Remo Knechtle, der nicht etwa Rettungsschwimmer, sondern in der Freizeit Fussballer ist, schaudert es jetzt noch, wenn er ans eisige Wasser denkt: «Aber ich kann doch unmöglich zuschauen, wie Menschen sterben.»

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