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Geht es um den Islam, redet Saïda Keller-Messahli mit. Die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam plädiert in unzähligen Zeitungsinterviews und auf allen TV-Kanälen für einen modernen Islam. Mal kämpft die 53-Jährige mit Menschenrechtlern (gegen Zwangsehen), mal an der Seite der SVP (für ein Burkaverbot), mal mit den gleichen Argumenten wie radikalere Muslime (gegen das Minarettverbot), aber immer auf ihre eigene Weise: tolerant, hartnäckig und mit Überzeugungskraft.

In Tunis in eine arme muslimische Grossfamilie geboren, kommt Saïda Messahli achtjährig zu Pflegeeltern nach Grindelwald. Hier studiert sie, wird Gymnasiallehrerin, zieht mit ihrem Schweizer Ehemann zwei Söhne gross. Als nach dem 11. September 2001 im Westen die Angst vor allem, was irgendwie muslimisch ist, wächst, handelt sie: «Ich will dazu beitragen, den Islam humanistischer, toleranter zu machen.» Sie gründet 2004 das Forum für einen fortschrittlichen Islam, greift in die öffentliche Debatte ein, hält Vorträge, bestreitet Podiumsgespräche, berät Heranwachsende (etwa bei Problemen mit konservativen Eltern) und beherbergt auch mal schutzsuchende Jugendliche.

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Diese Aufgabe versteht sie praktisch als Vollzeitjob: «Letztes Jahr hatte ich kein einziges freies Wochenende.» Ihre moderaten Positionen stossen bei fundamentalistischen Muslimen auf wenig Gegenliebe – wohl weil sie sie pointiert äussern kann. Immer wieder erhält sie Morddrohungen: «In anderen Ländern wäre jemand wie du schon lange gesteinigt worden», heisst es. Die Drohungen nimmt sie ernst, aber sie bringen sie nicht von ihrem Weg ab: «Ich will mich nicht vor ein paar Fundamentalisten ducken. Ich bin schliesslich überzeugt, dass wir die Mehrheit der in der Schweiz lebenden Muslime vertreten.»