loading...

Die Debatte um Missstände in der Zürcher Sozialhilfe ist untrennbar mit den Namen Margrit Zopfi und Esther Wyler verbunden. Als Controllerinnen im Sozialdepartement machten sie 2007 Fälle publik, in denen Sozialhilfebezüger Leistungen erhalten hatten, ohne dass die Berechtigung seriös abgeklärt worden wäre. Sie spielten der «Weltwoche» exemplarische Fälle zu und lösten heftige Debatten über mangelhafte Kontrollen im Zürcher Sozialdepartement aus.

Die Diskussion weitete sich auf die Schweiz aus. Zürich und andere Gemeinden haben darauf interne Abläufe und Kontrollen verbessert, und der Einsatz von Sozialdetektiven ist kein Tabu mehr. Im Juli 2008 trat Zürichs umstrittene Sozialvorsteherin Monika Stocker nach Kreislaufproblemen zurück.

Zopfi, 60, und Wyler, 51, zahlten für ihr Whistleblowing einen hohen Preis. Beide wurden im Oktober 2007 im Büro verhaftet, nach einer Hausdurchsuchung entlassen und wegen Amtsgeheimnisverletzung angeklagt. Das Bezirksgericht sprach sie im Herbst 2009 von diesem Vorwurf frei. Wohl hätten sie das Amtsgeheimnis verletzt, erklärt das Gericht, doch sei das gerechtfertigt gewesen, weil sie keine Alternative zum Gang an die Medien gehabt hätten. Bei Vorgesetzten hatte ihre Kritik nichts bewirkt, und das Misstrauen gegen die wenig kritikfähige Sozialvorsteherin war zu gross. Jetzt muss das Obergericht über den Fall entscheiden.

Beide Frauen haben eine neue Stelle. Im Frühling gründeten sie zudem ProCourage, einen Verein für Menschen, die sich zum Thema Zivilcourage und Whistleblowing austauschen wollen. Sie würden wieder so handeln: «Wer nicht selber unglücklich oder krank werden will, muss Missstände thematisieren können», sagt Esther Wyler.