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Auf einschlägigen Portalen im Internet jubeln die Motorsportfans bereits, als die Gemeinde Vendlincourt JU im Februar 2008 zu einem umstrittenen Projekt ja sagt: Auf 15 Hektaren bestem Landwirtschaftsland soll eine 2,6 Kilometer lange Autoteststrecke entstehen. Schon bald wer­de man dank dem Projekt «Safetycar Jura» so richtig Gas geben können, schreibt ein Fan des Projekts. Eine kleine Gruppe von Einwohnerinnen und Einwohnern von Vendlincourt ist jedoch ganz anderer Meinung. Michèle Christe, ihr Schwager Jean-Marc, Raoul Challet und Bernard Hengy sehen nicht ein, wieso die Ruhe der Ajoie für ­eine Betonpiste geopfert werden soll. Sie gründen mit anderen die informelle Bewegung «Stop circuit» und beginnen sich zu wehren. Unterstützung finden sie bei Helvetia Nostra, der Organisation des Umweltschützers Franz Weber. Mit deren Hilfe gelangen sie ans Bundesgericht – und bekommen im März 2011 recht: Das höchste Schweizer Gericht heisst ­ihren ­Rekurs vollumfänglich gut. Der Erfolg entschädigt für harte Jahre in der kleinen Gemeinde. Die Mitglieder von «Stop circuit» werden zum Teil nicht mehr gegrüsst und sind in Vereinen nicht mehr gern gesehen. Andere werfen ihnen vor, die wirtschaftliche Entwicklung der Randregion zu verhindern. Die Angriffe hören auch nach dem Urteil nicht auf. Im Mai lässt der Gemeindepräsident ein Flugblatt verteilen, auf dem er den Rennstrecken-Kritikern vorwirft, mit falschen Behauptungen und Verleumdungen «die Be­hörden destabilisieren» zu wollen. Sie hätten ­«wenig beneidenswerte Charakterzüge offenbart», schreibt der Präsident – ohne die Leute namentlich zu nennen, aber für alle im Dorf erkennbar. Michèle Christe ist mittlerweile hart im Nehmen: «Wir würden uns noch einmal ­genau gleich wehren.»