loading...

Eine Suite im Hotel Marriott in Zürich kostet über 500 Franken pro Nacht. Putzfrau Zarina Bried verdiente hingegen ­weniger als zehn Franken pro Stunde. Die Reinigungskraft, die beim Dienstleister Vebego Services unter Vertrag steht, erhielt gemäss Arbeitsvertrag zwar den Mindestlohn von brutto Fr. 17.05 pro Stunde, in Wirklichkeit arbei­teten Bried und ihre Arbeitskolleginnen jedoch im Akkord. Lediglich 15 Minuten wurden der 36-jährigen ­Filipina pro Zimmer gutgeschrieben – egal, wie gross der Raum war, egal, wie schmutzig. Gänzlich aus der Abrechnung ausgeschlossen waren Nachputzen, Wartezeiten oder die täg­lichen Extra-Arbeiten.

Das liess sich Zarina Bried nicht gefallen. Schon während ihrer Probezeit fing sie an, ihre Arbeitsstunden fein säuberlich zu protokol­lieren. Das Resultat: In manchen Monaten hatte sie 96 Stunden gearbeitet, wurde allerdings nur für 51 bezahlt – was einen effektiven Stundenlohn von neun Franken ergibt.

Bried wandte sich im Dezember letzten Jahres an die Medien. Nach einem Bericht im «Kassensturz» schaltete sich die Paritätische Kommission ­Reinigung ein, um die Lohnbücher der Firma Vebego zu prüfen und die Reinigungskräfte zu befragen.

Kurze Zeit später stand fest, dass die Verrechnungsart gegen den ­Gesamtarbeitsvertrag verstösst. Die Vebego hat mittlerweile Lohnnachzahlungen geleistet und bezahlt ihre Mit­arbeiter nun pro Stunde. Nur dank der lückenlosen ­Arbeitsdokumentation und dem Mut von Zarina Bried, vor die ­Fernsehkamera zu treten, konnte sie für ihre Arbeits­kolleginnen und sich selbst faire Arbeits­bedingungen erkämpfen. Damals hatte ihr die Vebego zugesichert, sie trotz ­Negativschlagzeilen weiterhin zu beschäftigen. Sie hat nicht Wort gehalten. Zarina Bried erhielt die Kündigung am 25. August 2011. Weitere Informationen folgen.

Anzeige