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Es war ein Feierabend wie immer. Fast. Am 22. September 2010 besucht Franz Janka wie jeden Abend nach Arbeitsschluss seine Schafe, die er in Obersaxen hält. Wie meistens schaut er auch noch kurz nach Tieren eines Bekannten: Eine Herde Mutterkühe samt Kälbern und ein Stier weiden auf einem benachbarten Grundstück. Wieder einmal ist der Wasserzufluss zur Tränke verstopft.

Da sich der Stier weit weg vom Brunnen aufhält, wagt sich der 51-Jährige zur separat umzäunten Tränke, um den Schaden zu beheben. Plötzlich steht der Stier am Hag, zieht Runde um Runde um die kleine Parzelle. Franz Janka ist gefangen. Als er einen günstigen Moment gekommen sieht, wagt er sich raus. Doch er schafft es nicht rechtzeitig von der Weide: Der Stier greift an. Wirft ihn mehrfach zu Boden. Steigt immer wieder über den Mann hinweg. Tritt und stösst ihn mit dem Kopf. Tschuttet ihn rund 200 Meter den Hang runter. «Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen», erzählt Janka heute.

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Nachbar Andreas Roth, 45, hört den Tumult, eilt herbei – und sieht mit ­Schrecken, was auf der Parzelle nebenan vor sich geht. Der Biobauer greift sich die nächstbeste Waffe, eine hölzerne Stange. Doch damit ist nichts auszurichten gegen den 900 Kilogramm schweren Stier. Er holt ein Locheisen und rennt brüllend auf den Stier los.

Tatsächlich lässt dieser von seinem Opfer ab, trottet von dannen. Janka bleibt verletzt liegen. Neun Rippen sind gebrochen, zwei Wirbel angerissen, eine Schulter wird wohl nie mehr voll funktionsfähig werden. Fünf Monate war er arbeitsunfähig. «Ohne Andreas Roth gäbe es mich jetzt nicht mehr, ich verdanke ihm mein Leben.» Der würde es wieder tun: «In solch einem Moment studiert man nicht, da gehts um Leben.»