Wenn Mutige eingreifen, entlarvt ihr Handeln nicht selten beschämende, düstere Seiten unserer Gesellschaft. Als sich der letztjährige Prix-Cou­rage-Gewinner, Marc Hofmann, ­ohne Zögern drei jungen Schlägern entgegenstellt, die ein zufällig dahergelaufenes Pärchen verprügeln wollen, ist er in der dunklen ­Basler Seitengasse nicht allein. Nur fühlen die ­anderen Passanten keine Ver­pflichtung einzugrei­fen. Zumindest tun sie es nicht.

Auch die diesjäh­rigen Kandidaten haben die Schattenseiten der menschlichen Natur kennengelernt. Als Helikopterpilot Daniel Aufdenblatten nach einem hochriskanten Rettungsflug im Annapurna-Gebiet den drei Ge­retteten im Basislager begegnet, kommt ­ihnen kein Wort des Dankes über die Lippen.

Nicole Dill muss ihr Leben lang mit furchtbaren Einsichten in die Abgründe der menschlichen Seele fertig werden, nachdem sich ihr ­Lebenspartner als sadistischer Gewalttäter entpuppt hat.

Zarina Bried begegnet in ihrem Berufsleben als Reinigungskraft der schäbigen Seite ihres Unternehmens, das für harte körperliche ­Arbeit einen Lohn zahlen will, der die gesetzlichen Vorschriften weit unterschreitet.

Doch Zarina Bried, Nicole Dill und Daniel Aufdenblatten sind anders als die Passanten in der Basler Seitengasse. Sie klagen an, halten durch, packen zu.

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Letzteres gilt ganz ausgesprochen und im eigentlichen Wortsinn auch für Andreas Roth, der sich, nur mit einer Stange bewaffnet, einem schnaubenden Stier in den Weg stellt, um seinen Nachbarn in Sicherheit zu bringen. Der pensionierte Coiffeur Robert Schönbächler, selber gesundheitlich schwer angeschlagen, rettet seine ehemalige Lehrtochter vor ­ihrem kriminellen Ehemann. Valentin Abgottspon muss mit anonymen Anwürfen umgehen wie dem Vorwurf, er sei Teil einer «gottlosen Bande», bloss weil er sich für die in der Bundesverfassung garantierte Glaubensfreiheit einsetzte. Er wurde ebenso geschnitten wie Jean-Marc und Michèle Christe, Raoul Challet und Bernard Hengy, die im Jura den Bau einer Autoteststrecke verunmöglichten, weil sie rechtswidrig war.

Im September werden zwei der hier präsentierten Einzel- oder Gruppenkandidaten an der fest­lichen Gala den Prix Courage ent­gegennehmen. Verdient hätten sie ihn alle. Denn sie wissen mehr über die menschlichen Schattenseiten, als uns lieb sein kann.

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