Erlauben Sie mir, das erste Wort ganz direkt an Sie zu richten: Vielen Dank für Ihren beherzten Einsatz! Ihre Taten haben uns beeindruckt, berührt, bewegt.

Aber nicht nur das. Sie haben uns in der Jury auch zu intensiven Diskussionen über Mut animiert, sie führten uns die Vielfalt gelebter Zivilcourage vor Augen und ja – all das eröffnete durchaus auch Kontroversen. Und das ist gut so. Der Prix Courage hat nicht einfach die Aufgabe, für tosenden Applaus zu sorgen; er darf und soll auch zum Nachdenken anregen.

Die Nominierten wurden durch ihre Taten - ob mit oder ohne Absicht - Teil einer Geschichte. Viele dieser Geschichten sind geprägt von Pech und Unglück, Gewalt und Gefahr - aber auch von Ungerechtigkeit und fehlender Fairness. Wie heisst es doch so oft in solchen Situationen fast entschuldigend? «Es mänschelet halt überall.»

Aber es muss nicht immer negativ «mänschele», der Mensch kann auch anders. Für dieses Andere stehen exemplarisch die Persönlichkeiten, die wir am heutigen Abend gemeinsam feiern. Ihre Taten werfen ein anderes Licht auf die Geschichten des Alltags. Und in diesem neuen Licht, erkennt man ihn – zunächst vielleicht fragmentarisch, dann aber mit immer klareren Konturen: den Mut. Mut, der in ganz unterschiedlicher Form in Erscheinung tritt: Mut als Stärke, auch Reaktionsstärke. Mut als Kraft, auch Widerstandskraft. Mut als Stehvermögen und Durchhaltevermögen.
Ich gebe offen zu: Wir hätten uns unsere Sache als Jury gerne leichter gemacht und mehrere Preise vergeben angesichts dieser ganzen Vielfalt an Zivilcourage. Doch wir haben schlussendlich aus Überzeugung und mit Freude entschieden: Der Jurypreis des Prix Courage 2012 geht an die drei jungen Lebensretter Ramon Amrhein, Dines Dzaferi und Shqiprim Olluri.

Dines Dzaferi, Shqiprim Olluri und Ramon Amrhein (von links)

Quelle: Adi Bitzi
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Diese drei Teenager haben einen Menschen gerettet. Einen Familienvater, der zum Zeitpunkt des Unglücks - seines starken Krampfanfalls im treibenden Rhein - mitten im Leben stand. Während andere nur zuschauten und nichts unternahmen oder gar im Weg standen, haben Shqiprim, Ramon und Dines gehandelt.

Die drei jungen Männer verdienen den Prix Courage. Es ist nicht nur auszeichnungswürdig, dass sie ihre couragierte Tat vollbrachten. Sondern auch, wie sie diese Tat vollbrachten: Mutig, aber nicht übermütig. Überzeugt, aber nicht überstürzt. Und vor allem: in perfekter Arbeitsteilung.

Der Eine hatte vor dem Sprung in die Tiefe Angst, bewährte sich jedoch als eigentliche Zentrale der Rettungsaktion, instruierte seine zwei Freunde und alarmierte die Zöllner auf der deutschen Rheinseite. Die beiden anderen stürzten sich – eben erst aus dem Wasser gestiegen – wieder in die Fluten. Einer davon kennt die richtige Technik, um den grossen, schweren und immer wieder untertauchenden Mann greifen zu können; ohne die zusätzliche Kraft des Zweiten aber wäre die Last viel zu schwer gewesen. Zusammen schafften sie es: mit Zielstrebigkeit und dem vollen Einsatz all ihrer Kräfte schleppten sie den schwer angeschlagenen Mann gegen den Strom bis zur Ausstiegsstelle.

Chapeau, Shqiprim, Ramon und Dines; ihr dürft wirklich stolz sein! Auf Eure Tat, aber auch darauf, dass Ihr der hilfsbereiten und verantwortungsbewussten Jugend ein Gesicht gebt - mit Eurem Einsatz, Eurer Einstellung, Eurem Engagement. Ein Gesicht, auf das die Scheinwerfer viel häufiger gerichtet sein dürften. Ein Gesicht, das so wohltuend anders ist als die negativen Schlagzeilen, welche den Jugendlichen allzu häufig gewidmet werden.

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Auf die Frage, ob Ihr Euch selber für mutig hält, habt Ihr geantwortet: «Nein, das war nicht mutig – es war einfach menschlich.» Eben: Es kann auch ganz anders «mänschele». Wir danken Euch dafür, dass Ihr das bewiesen habt.