Mut hat viele Facetten. Mitunter ist es ein Impuls, der sich im Bruchteil ­einer Sekunde durchsetzt gegen Bedenken um die eigene Sicherheit oder das eigene Wohl­ergehen. Wie bei den drei Brüdern Joey, Danny und Marc Meier. Sie wollen sich die Freude am Fussball nicht vergällen lassen und stellen sich beim Derby GC – FCZ, später bekannt geworden als «Schande von Zürich», einem 30-köpfigen Trupp gewaltbereiter Fans entgegen.

Auch der Bieler Taxifahrer Hysen Tahiri folgt einem Impuls, als er nachts auf der Autobahn eine Frau aus einem brennenden Auto rettet. Und genauso reaktionsschnell handeln die Thurgauer Sekundarschüler Ramon Amrhein und Dines Dzaferi, als ihr Kumpel Shqiprim Olluri sie auf einen Schwimmer in Not aufmerksam macht. Sie springen von der Rheinbrücke in Diessenhofen und retten den Ertrinkenden.

Sie gehen auf die Barrikaden

Mitunter ist Mut auch das Gegenteil eines Impulses, nämlich ein fast lebenslanger Antrieb, der sich bewähren muss bei zahllosen Gelegenheiten, wo es einfacher wäre, nichts zu sagen. Wie bei Rolf Sigg, Pfarrer und Gründer der Sterbehilfeorganisation Exit. Immer wieder eckte er an, wurde ­geschnitten, verbrachte gar eine Nacht in Haft. Doch von seiner Überzeugung, dass eine selbstbestimmte Entscheidung zu den Grundrechten gehört, liess er sich nicht ­abbringen. Genauso wenig wie die beiden Genfer Hilfspflegerinnen Déborah Bouyol und Maria Hoffland. Wer verantwortungsvolle medizinische Dienstleistungen erbringt, soll entsprechend bezahlt werden. Für diese Überzeugung stiegen sie auf die Barrikaden, trotzten Einschüchterungsversuchen ihrer Chefs und negativer Presse.

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Mut und Zivilcourage sind keine Frage des Alters. Die 73-jährige Brigitte Gottlieb aus Wimmis weiss, was geht und was nicht geht an einer Gemeindeversammlung. Als sie erfährt, dass eine Baustofffirma mit fragwürdigen Mitteln für ihre Interessen lobbyiert, stellt sie ein ganzes Dorf in den Senkel. Auch der Berner Finanzinspektor Beat Büschi folgt seinem inneren Kompass statt den Vorgaben der Verwaltung. Nur seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass beim Sozialdienst der Stadt Bern Missstände behoben wurden.

Im September werden zwei der hier vorgestellten sieben Einzel- oder Gruppenkandidaten an einer festlichen Gala den Prix Courage des Beobachters entgegennehmen. Verdient hätten sie ihn alle.

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