Quelle: Christian Schnur

Der Stadtammann überschreite seine Kompetenzen – darauf wies der Bischofszeller Finanzverwalter Julius Schulthess den Stadtrat hin. Stadtammann Josef Mattle war auch Chef des lokalen «Organisationskomitees Tour de Suisse» und hatte 2012 den Velotross nach Bischofszell TG geholt. Dafür wollte der Tourveranstalter Geld – von Bischofszell 54'000 Franken. Die wollte der Stadtammann beim lokalen Gewerbe zusammenbringen. Weil das harzte, überwies er die 54'000 Franken dem Veranstalter aus der Stadtkasse.

Vom Hinweis seines Finanzverwalters liess er sich nicht beeindrucken. Der Gesamtstadtrat kündigte zwar an, die Sache extern untersuchen zu lassen. Doch in der von Julius Schulthess gesetzten Frist von zehn Tagen geschah – gar nichts. Darauf reichte der Finanzverwalter Strafanzeige ein. Da zahlte der Stadtammann die Summe der Stadt zurück, das Strafverfahren war Ende Juli noch hängig.

Doch auch für Schulthess sollte die Sache nicht erledigt sein: Wiederum ohne den Gesamtstadtrat zu informieren, stellte Stadtammann Mattle den Finanzverwalter frei. Dann entliess er ihn ganz. Begründung: Das Vertrauensverhältnis sei nicht mehr intakt.

Seither ist der 63-Jährige arbeitslos. Sein Vorgehen bereut Schulthess nicht. «Natürlich hat mir die Entlassung Mühe bereitet. Aber ich würde wieder so vorgehen, ich könnte gar nicht anders.» Privat habe er durchwegs positive Reaktionen erhalten. Öffentlich aber habe sich kaum jemand für ihn eingesetzt. Die Stadträte stellten sich hinter ihren selbstgerechten Präsidenten, die Parteien schweigen oder warten den Ausgang des Verfahrens ab. Einzig die SVP forderte den Rücktritt des Stadtammanns. Die Tour de Suisse endete für Bischofszell übrigens mit einem Defizit von 48'000 Franken. Dafür müssen die Steuerzahler aufkommen – immerhin das ist ein Entscheid des Gesamtstadtrats.

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