Quelle: Christian Schnur

Als Kinder und Jugendliche wurden sie fremdplatziert, in den Augen der Ämter ­waren sie «arbeitsscheu», «schwer erziehbar» oder führten ein «liederliches Leben».

Jean-Louis Claude (ganz links) kam mit vier Jahren zu einem Bauern ins Waadtland, gehalten wurde er dort wie ein Tier. ­Angebunden an Rädern der landwirtschaftlichen Maschinen – nackt und mit einer Schafschelle um den Hals. Später wurde er in einem katholischen Waisenhaus sexuell missbraucht, von Angestellten, Priestern und vom Direktor. Der Bischof schrieb ihm Jahre später: «Leider ist es heute nicht mehr möglich, das Vorgefallene nachzuprüfen.»

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Bernadette Gächter (Zweite von links) war 18, als sie schwanger wurde. Aus eugenischen Gründen wurde ihr ­ungeborenes Kind abgetrieben, sie selbst gegen ihren Willen sterilisiert. Die Psychiatrie kam zum Schluss, sie sei geistesgestört. Bis heute wird sie aufgrund ihrer Akten immer wieder mit ihrer leidvollen Vergangenheit konfrontiert.

Ursula Biondi (Zweite von rechts) wurde zur «Nacherziehung» im Frauengefängnis Hindelbank versorgt, obschon kein Gericht sie für eine Straftat verurteilt ­hatte. Später wurde sie jahrelang als «Knaschti» verspottet. 2008 gründete sie eine Anlaufstelle, die Betroffene berät.

Walter Emmisberger (ganz rechts) kam im ­Gefängnis zur Welt, wuchs bei Pflegeeltern auf und wurde bei Bauern verdingt. Bei den Pflegeeltern wurde er immer wieder ver­prügelt, missbraucht und eingesperrt. Eine Klinik testete an ihm nicht zugelassene Psychopharmaka. Vor wenigen Jahren brach er das Tabu über seine Kindheit und grün­dete den Verein Fremdplatziert.

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Mit ihrer schonungslosen Offenheit sensibilisierten diese vier Menschen eine breite Öffentlichkeit für die fragwürdigen «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen» und trugen so massgeblich dazu bei, dass der Staat dieses düstere Kapitel Schweizer Geschichte nicht mehr vom Tisch wischen kann. Bundesrätin Simonetta Sommaruga entschuldigte sich bei den Betroffenen, am runden Tisch diskutiert man über die historische Aufarbeitung und mög­liche Entschädigung.

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