Der 20. März verspricht ein Tag wie jeder ­andere zu werden. Bashkim Bytyqi macht sich gegen halb zehn Uhr auf, um für die ­Familie das Mittagessen einzukaufen. Als er im thurgauischen Amriswil die Bahnhofstrasse hochfährt, sieht er, wie ein Auto immer schneller die abschüssige Strasse ­hinunterrollt – direkt auf einen alten Mann zu! «Es war ein richtiger Schock, als ich sah, dass gar niemand in dem Auto sitzt», ­erinnert sich Bytyqi. Es sei gewesen wie in einem schlechten Traum.

Doch der dreifache Familienvater träumt nicht. «Es geht um Leben und Tod», ­realisiert er und reagiert blitzschnell: Er gibt Gas und lenkt seinen Audi A4, den er seit vielen Jahren hegt und pflegt, ohne Rücksicht auf Verluste gegen das herrenlose Fahrzeug, um es aus seiner Bahn zu bringen. Mit Erfolg, zumindest weit­gehend: Das gefährliche Geisterauto wird so stark abgelenkt, dass es den 86-Jährigen nur schwach erwischt und ihn lediglich leicht verletzt. Bashkim Bytyqi passiert nichts: «Ich habe mich am Steuer festgehalten, um den Aufprall aufzufangen», sagt der 42-Jährige. Sein Wagen erleidet Blech­schaden.

Anzeige

Bytyqi ruft unter Schock die Polizei. Eine Passantin kümmert sich um den Betagten, die herbeigerufene Ambulanz bringt ihn ins Krankenhaus.

Bytyqis flinke Reaktion macht auch dem ­Polizisten vor Ort Eindruck: Das Protokoll bestätigt, dass der Senior ohne das Eingreifen des Kosovaren wohl nicht überlebt hätte. «Es sei sehr mutig gewesen, ­sagte er zu mir», erinnert sich der beherzte Pizzaiolo. «Zu dem alten Mann hatte ich ­keinen ­Kontakt mehr, ich weiss aber von der Polizei, dass er wieder wohlauf ist. Gott sei Dank!» Das Gefühl, ein Menschen­leben ­gerettet zu haben, erfülle ihn noch heute ­immer ­wieder mit Glück.