Eigentlich will Lisbeth Weber nur schnell den Bahnübergang in Freienbach SZ überqueren. Doch da verfängt sich ihr Rollator in den Schienen.

Die 81-Jährige stürzt und liegt auf dem Bauch. Sie ist benommen und merkt nicht, dass sich die Schranken schliessen und ein Zug naht.

In diesem Augenblick fährt der Post­angestellte Adrian Roggensinger im ­Lieferwagen zum Bahnübergang. Er sieht die Frau, erkennt ihre Not und reagiert in Sekundenbruchteilen: «Ich eilte ihr sofort zu Hilfe.»

Um sie sanft hochzuheben, reicht die Zeit nicht mehr. Der Postangestellte muss die Frau mit einem kräftigen Ruck von den Gleisen ziehen. Die Rettung gelingt in ­allerletzter Sekunde: «Kaum waren wir in Sicherheit, rauschte der Zug an uns ­vorbei», erzählt der 22-Jährige.

Bis auf eine Ellbogenprellung bleibt die Rentnerin unverletzt. Nur ihre Gehhilfe wird vom Zug erfasst, rund 100 Meter ­mitgeschleift und zerstört.

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«Ich bin überglücklich, dass der junge Mann mir zu Hilfe geeilt ist. Ohne ihn ­wäre ich nicht mehr da», sagt Lisbeth Weber. Roggensinger sieht sich nicht als Helden: «Es ist klar, dass ich ihr ­helfen musste. Ich hätte mir sonst ewig Vorwürfe gemacht.» Dass er sich selbst in grosse Gefahr brachte, wird ihm erst später bewusst. Trotzdem sagt er: «In diesem Moment habe ich nicht lange nachgedacht, sondern ­instinktiv gehandelt. Ich würde es wieder so tun.»