Da ist Ärger im Anzug, Arlindo Oliveira merkt es sofort. Es ist ein Nachmittag im März, der 46-Jährige steht im Migrol-Tankstellenshop in Winterthur, in der Schlange vor der Kasse. Er hört, wie weiter vorn ein Mann brüllend die Kassiererin beschimpft. Beobachtet, wie der Kunde hinter dem Pöbler die ­Situation mit schlichtenden Sätzen zu entschärfen versucht. Und sieht dann, wie der Radaumacher diesen Mann packt und blindwütig auf ihn einzu­schlagen beginnt. «Wie eine Kampf­maschine», erzählt Oliveira.

Der Prügler ist kräftig und trainiert. Und: Er hat zwei Begleiter. Die stehen zwar ­teilnahmslos neben der Kasse – doch aus Angst vor einer Eskalation ziehen sich die Kunden zwischen die Ladenregale zurück. Ausser Arlindo Oliveira.

«Ich habe nicht viel überlegt», sagt der gebürtige Portugiese, der seit fast 30 Jahren in der Schweiz im Gastgewerbe arbeitet und kürzlich in Schlieren ein eigenes Restaurant eröffnet hat. «Ich sah bloss, dass da jemand Hilfe brauchte. Also half ich.»

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Oliveira lässt seine Einkäufe fallen und wirft sich gegen den Prügler, damit dieser von ­seinem Opfer ablässt. Doch so richtet er die Aggression des Schlägers auf sich allein – und hat keine Chance.

Oliveira wird zu Boden geschlagen, sein Kopf gegen die Kassentheke gerammt. Als er ­regungslos liegen bleibt, stürmen der Schläger und seine Kumpane aus dem Laden, steigen ins Auto und brausen davon. Weit kommen sie nicht. Die Stadtpolizei Winterthur, vom Tankstellenpächter alarmiert, kann den Wagen stoppen und die Männer festnehmen.

Arlindo Oliveira zieht sich Gesichtsverletzungen und Prellungen an den Rippen zu – doch er bereut nichts. «Ich bin kein Draufgänger, meistens halte ich mich eher etwas im Hintergrund», sagt er. «Aber ich glaube: Wenn man sieht, dass ein Mensch in Not ist, darf man sich nicht verkriechen.»

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