Ivan Portmann, 14, reagiert sofort: Er rennt in den Keller, dreht den Löschposten auf und zieht den Schlauch nach draussen. Die Flammen lodern aus dem hinteren Teil der Scheune. Ivan versucht zu löschen.

Ein Feuerwehrmann, eigentlich unterwegs zu einem anderen Brand, hat auf der Vorbeifahrt das Feuer bemerkt und die Familie aus dem Schlaf ­gehupt. Schnell wird klar, dass den Flammen mit dem einen Schlauch nicht bei­zukommen ist. Die Mutter zieht sich mit dem jüngeren Sohn und einem Ferienkind zurück. Sie sei enorm auf­geregt gewesen, sagt sie rückblickend. Ivan hingegen habe Ruhe bewahrt und sie mehrmals beruhigt.

Ivan will in den oberen Teil der Scheune, um die Maschinen zu retten, doch der Feuerwehrmann winkt ab: Das sei bereits zu ­gefährlich. Stattdessen gehen sie in den Stall, um das Vieh hinauszulassen. Ivan weiss, wo die Tiere stehen und wie er sie am besten ins Freie lässt.

Alles klappt. Der 14-Jährige erwägt, erneut hineinzugehen: Ein Tier liegt noch immer im Stall, es kann nicht aufstehen. Doch Ivan sieht den Rauch vom oberen Boden durchdrücken. «Ich wusste, ich kann nichts tun für die Kuh. Ich konnte sie nicht hinaustragen», sagt er. Inzwischen ist die Feuerwehr ein­getroffen. Die Scheune in Escholzmatt LU ist nicht mehr zu retten. Aber das Wohnhaus bleibt unversehrt, und 30 Tiere überleben. Die Polizei stellt später keinen technischen Defekt fest.

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Brandstiftung ist wahrscheinlich. Ivan machte sich während des Brands keine Gedanken über das Wer oder Warum: «Ich habe nicht überlegt, sondern einfach ­gemacht», sagt der 14-Jährige. Der Feuerwehrmann lobt den Jungen: «Ivan blieb während der ganzen Zeit ruhig – ruhiger als ich. Für einen Jungen in seinem Alter reagierte er sehr gut und hörte immer auf meine Anweisungen.»