Der Steilpass war präzis und wohltemperiert: Sie hoffe, dass die Bistumsleitung die Verleihung des Prix Courage als aufbauendes Symbol aufnehme, sagte Monika Schmid. Die Gemeindeleiterin der Pfarrei Illnau-Effretikon erhielt den Publikumspreis, nachdem sie im «Wort zum Sonntag» die Kirchenpraxis kritisiert hatte, pädophile Priester nur zu versetzen, solche in einer reifen Liebesbeziehung hingegen abzusetzen (siehe Artikel zum Thema «Prix Courage 2008: Gala für die Beherzten»).

Der Preis sollte nun Anstoss sein für einen offeneren innerkirchlichen Dialog. Eine Aussage, die der Churer Bischof Vitus Huonder im Februar in der «Zürichsee-Zeitung» machte, passte dazu schon fast programmatisch: «Wichtig ist, dass man im Dialog ehrlich ist, Probleme benennt und nicht über sie hinwegsieht.» Was sollte da also noch schiefgehen?

Ein erster Versuch, diesen Meinungsaustausch anzukurbeln, ist gescheitert. Gerne hätte der Beobachter mit Vitus Huonder ein Gespräch über den Umgang mit innerkirchlicher Kritik geführt, doch die Bitte um ein Interview wurde von der Bistumsleitung nach längerer Bedenkzeit mit einem Zweizeiler verweigert: «Der Bischof sieht sich nicht in der Lage, diesem Wunsch zu entsprechen.» Nachfragen nach den Gründen blieben unbeantwortet. Dass an der Kirchenbasis das Bedürfnis nach einer offenen Debatte gross wäre, zeigt allein schon die Resonanz auf Schmids Prix-Courage-Gewinn: Innert weniger Tage hat sie über 600 Mails und 300 Briefe erhalten, fast ausschliesslich in zustimmendem Sinn. Nur der Bischof hat sich bislang nicht gemeldet.

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