Beobachter: Herzliche Gratulation! Sie haben vor Bundesgericht gewonnen, nun den Prix Courage…
Michèle Christe: …das ist fast zu viel

Beobachter: Was bedeutet der Prix Courage nun für Sie?
Christe: Er ist das Tüpfelchen auf dem i. Wir bekommen hier die Anerkennung, die man uns zu Hause im Jura verweigert hat. Es ist eine grossartige Belohnung! Wir haben nie im Leben gedacht, dass wir gewinnen würden. Allein schon die Nomination und die Feier heute Abend waren eine super Sache.

Beobachter: Sie hatten viele Gegner: die Gemeindebehörden, den Initianten der Autoteststrecke… Die werden Ihnen für diesen Sieg wohl kaum den roten Teppich ausrollen.
Christe: Sicher nicht, im Gegenteil! Wohl eher den schwarzen Teppich. Zumindest die Gemeindebehörden werden uns nicht gratulieren kommen.

Beobachter: Brauchte es denn Mut, sich mit den Behörden und dem Initianten der Strecke anzulegen?
Christe: Im Nachhinein denke ich schon, dass es Mut brauchte. Mut und Beharrlichkeit. Wir sind einfach unseren Weg gegangen, und das bis zum Schluss.

Beobachter: Denken Sie denn, dass der Prix Courage nun für Sie etwas ändern wird im Dorf?
Christe: Ich glaube nicht. Vielleicht haben wir ein paar Freunde mehr jetzt (lacht).

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Beobachter: Jurypräsident Franz Hohler hat in seiner Laudatio die Hoffnung ausgedrückt, dass dank dem Prix Courage auch eine Versöhnung zwischen Ihnen und den unterlegenen Befürwortern des Projekts möglich wird.
Christe: Das wird wohl noch etwas Zeit brauchen. Wir mussten uns einiges anhören im Dorf, aber wir versuchten immer, anständig zu bleiben. Als wir das Urteil des Bundes­gerichts zugeschickt erhielten, fuhren wir nicht hupend durch das Dorf, sondern feierten still für uns zu Hause. Wir wollten die Polemik im Dorf nicht noch einmal hochkommen lassen. Das Projekt ist jetzt beerdigt, jetzt muss man etwas Neues anpacken, und zwar gemeinsam. Wir können uns nicht noch jahrelang wegen dieser Geschichte in den Haaren liegen.

Beobachter: Sie reichen Ihren Gegnern also die Hand.
Christe: Ja, wenn möglich. Aber sie müssen uns auch ihre reichen.

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Beobachter: Wenn Sie zurückblicken auf Ihren Kampf, kann man da sagen, «Ende gut, alles gut»? Oder gibt es Dinge, die Sie bedauern?
Christe: Wir hatten am Anfang keine Ahnung, wo­rauf wir uns einliessen. Wir hatten Glück, dass wir Franz Weber an unserer Seite hatten, damit wir nach dem Urteil des Kantonsgerichts, das uns Gerichtskosten von 40'000 Franken auferlegte, überhaupt weitermachen konnten. Aber Dinge ändern? Wir haben gewonnen. Das ist das, was zählt. Wir haben unser Ziel erreicht.