Der schweizerische Beobachter begrüsst Sie ganz herzlich zur Jubiläumsfeier im zürcherischen Volkshaus. Und die gestelzte Formulierung ist mit Bedacht gewählt. Schweizerisch? Jubiläum?? Volkshaus??? Ein lieber Kollege eine anderen Chefredaktion fragte schon mal besorgt: «Du, muemer da äs Sandwich mitnäh?»

Also: Willkommen beim Volk, willkommen beim Beobachter.

Wir verleihen heute zum fünften Mal den Prix Courage, den Beobachter-Preis für mutige Menschen. Und wir feiern gleichzeitig den Geburtstag einer schweizerischen Institution. Oder, wie die «Basler Zeitung» schrieb: Wir beglückwünschen uns Schweizerinnen und Schweizer zu einem «Schweizer Sonderfall der besseren Art».

Darauf gilt es anzustossen – ob nun mit oder ohne Sandwich.

Zumal wir heute auch 400 besondere Gäste begrüssen dürfen. Erlauben Sie, dass ich vier Persönlichkeiten hier kurz namentlich erwähne: Allen voran natürlich unsere Innenministerin, Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss. Ausserdem den Präsidenten unserer Preisjury, alt Bundesrat Otto Stich. Und schliesslich den Zürcher Regierungspräsidenten Markus Notter und den Zürcher Stadtpräsidenten Josef Estermann.

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75 Jahre Beobachter. Sie ahnen es: Es ist kein Zufall, dass wir ausgerechnet das Volkshaus für diese Jubiläumsfeier gewählt haben. Ein Haus mit Tradition, ein Ort, wo sich das Volk trifft. Denn auch die Erfolgsgeschichte des Beobachters ist letztlich eine Volksgeschichte. Von allem Anfang an.

Da war zum Beispiel Max Ras, geborener Rasworscheg, Sohn eines Schneidergesellen, gelernter Schlosser, Reklamefachmann. Sie kennen ihn nicht? Er war kein Mann von Rang und Namen. Er war der Beobachter-Gründer. Ein ebenso mutiger wie eigensinniger Kerl. Dass ihn die vornehmen Herren des Verlegerverbandes hochnäsig schnitten – who cares, würde der Reklamefachmann heute wohl sagen. Denn sein Beobachter hatte schon nach wenigen Monaten einen riesigen Erfolg – in allen gesellschaftlichen Schichten.

Und was war sein Erfolgsrezept? Wir finden es im ersten Text der ersten Beobachter-Ausgabe. Das neue Blatt, so schrieb sein Jungverleger, sollte jeden und jede erreichen – «von der Wohnung in der Industriestadt bis zu den behäbigen Gehöften in unsern Dörfern, von der Villa in den reichen Vorstädten bis zur entlegensten Berghütte». Und vor allem sollte der Beobachter – Zitat – «nach niemandes Pfeife tanzen».

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Schöner und treffender lässt sich die Philosophie des Beobachters auch heute nicht umschreiben: Für die Menschen da sein. Als unabhängiges Magazin, als Beratungszentrum, als Buchverlag, als Hilfsstiftung. Als breit engagierte, einzigartige Institution.

Einzigartig sind zuweilen auch die Leserzuschriften, die beim Beobachter landen. Zum Beispiel die Briefe mit den zwei ultimativen Zeilen: «Kopie zK Beobachter und Bundesrat». In dieser Reihenfolge. Oder auch mal umgekehrt.

Da muss wohl eine Art Seelenverwandtschaft bestehen zwischen dem schweizerischen Bundesrat und dem schweizerischen Beobachter. Oder zumindest hier wie dort ein besonderes Mass an Bürgernähe. Jedenfalls freue ich mich ausserordentlich, dass ich Ihnen nun den Ehrengast des heutigen Abends als Gastreferentin ankündigen darf: Bühne frei für Bundesrätin Ruth Dreifuss!

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