Furchtlos gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen liegt Dagmar Senn, 54, scheinbar im Blut: «Mein Vater war der couragierteste Mensch, den ich kenne.» Seit sieben Jahren kämpft sie als Präsidentin des Tierschutzvereins Frauenfeld und Umgebung. Dass sie dabei aneckt, nimmt die lebensfrohe Frau gelassen: «Hauptsache, es nützt den Tieren.» Doch der «Fall Felben-Wellhausen» hat sie an ihre Grenzen geführt: «Die Bilder werde ich nie vergessen können.»

Dagmar Senn reicht mit ihren Leuten im März 2001 Strafanzeige ein gegen Viehhändler Roland Schär – wegen Tierquälerei. Im Bericht des stellvertretenden Bezirkstierarztes liest sich das so: «Unfassbar war für mich der Anblick, der sich im Stall bot. Unzählige Kadaver halb bis ganz verwester Schafsleichen lagen in der Strohmatte.»

Gleichwohl verstreicht ein ganzes Jahr, bis das zuständige kantonale Amt ein Tierhalteverbot gegen Schär ausspricht und den «Stall des Augias» ausmisten lässt. Nach Aussagen von Amtsvorsteher Hans Stettler finden in dieser Zeit «mehrmals und zeitweise regelmässig» Kontrollen statt – angeblich alles in Ordnung.

Doch für Dagmar Senn tönt das wenig glaubhaft. Ihre eigenen Kontrollen zeigen Bilder von geschundenen, kranken und verfaulenden Tieren. Und selbst Schär sagt bei der Einvernahme, dass er an der Tierhaltung «nicht viel verändert» habe. Pikantes Detail: Schärs Vater war damals Mitarbeiter von Amtsvorsteher Stettler. Deshalb ist Dagmar Senn daran, den behördlichen Filz mit einer Aufsichtsbeschwerde aufzubrechen.

Strafrechtlich ist der Fall in diesen Tagen erledigt worden: Das Bezirksgericht Frauenfeld hat Schär wegen fortgesetzter und schwerster Tierquälerei zu zwölf Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.

Doch auch Tierschützerin Dagmar Senn wird gebüsst: Wegen Hausfriedensbruch muss sie 100 Franken zahlen und sich ein Jahr «wohl verhalten». Ihr schelmisches Lachen lässt indes bezweifeln, dass sie sich daran hält.

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