Als eines Morgens im August 2001 das Gerichtsurteil im Briefkasten liegt, ist für Malica Skrijelj die Welt wieder in Ordnung: «Der Beweis, dass der Rechtsstaat doch existiert!», freut sie sich. Die 30-Jährige hat einen zähen Lohnstreit mit ihrer früheren Arbeitgeberin, der Lemo AG in Ecublens VD, geführt.

Die allein erziehende Mutter verdient 2450 Franken pro Monat – 1000 Franken weniger als männliche Angestellte, die exakt dieselbe Arbeit leisten. Dabei beweist die Serbin, die als Hilfskraft angefangen hat, ihr Können schon bald an der Drehbank.

In der Chefetage mag man den Aufstieg nicht honorieren. Als Skrijelj mehr Lohn verlangt, heisst es, das serbische Diplom als Dreherin sei nichts wert – trotz Anerkennung durch den Bund. Die Arbeiterin spürt, dass man sie «loswerden will». Heute noch gerät sie in Rage: «Wir Frauen wurden schlecht bezahlt und sagten nichts – aus Angst, entlassen zu werden.»

Aber Skrijelj nimmt den Kampf auf: 1998 klagt sie wegen Verletzung des Gleichstellungsgesetzes. Der Patron reagiert mit dem blauen Brief. Weil Rachekündigungen verboten sind, muss er die Dreherin aber wieder einstellen.

Damit ist das Klima definitiv vergiftet: «Jeden Morgen war meine Maschine defekt, mein Werkzeug versteckt – man wollte mich schikanieren.» Skrijelj kämpft weiter, organisiert Demos, um auf die Diskriminierung aufmerksam zu machen. «Ich führte diesen Kampf nicht für mich allein, sondern für alle Frauen.»

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Im August 1999 kündigt Malica Skrijelj – sie ist zum zweiten Mal schwanger. Im März 2001 lehnt das Arbeitsgericht ihre Klage ab – zum Teil mit haarsträubenden Argumenten. So heisst es etwa, behinderte Männer würden auch keinen höheren Lohn erzielen als ungelernte Frauen.

Skrijelj gibt nicht auf, zieht den Fall ans Kantonsgericht weiter – mit Erfolg. «Unrecht kann ich einfach nicht hinnehmen», sagt Malica Skrijelj, «besonders wenn ein Gesetz so krass missachtet wird.»