Zivilcourage wird bestraft – so lässt sich beschreiben, was dem 66-jährigen  Krebsspezialisten Christian Sauter widerfuhr. Das Schmierentheater begann vor fünf Jahren. 1998 wird der Deutsche Rainer W. Grüssner als Chef der Klinik für Viszeralchirurgie ans Zürcher Unispital berufen. Wenige Monate nach dem Amtsantritt beklagen sich mehrere Ärzte bei Abteilungsleiter Sauter über die unmöglichen Arbeitsbedingungen unter Grüssner. Die fähigsten Operateure würden ins Büro verbannt, Führungsstil und Anordnungen seien unverständlich – darunter würden die Patienten leiden.

Tatsächlich sinken die Patientenzahlen unter Grüssner massiv, interimistisch muss gar die Intensivstation geschlossen werden. Sauter gilt im Kollegenkreis als einer, der «nicht aufs Maul hockt». Da er nicht akzeptieren kann, dass Patienten nicht mehr die bestmögliche Behandlung erhalten, beginnt er zu recherchieren.

Zufällig erfährt er, dass Grüssner zu Unrecht den Titel eines «Ph. D.» verwendet. Sauter informiert die Fakultät über den Titelschwindel – doch nichts passiert. Sauters Entdeckung passt schlecht ins Bild einer funktionierenden Hochschule, die Universitätsleitung wischt den Betrug unter den Teppich. Wegen seiner zweifelhaften Methoden und wegen mangelnden Erfolgs muss Grüssner allerdings die Klinik nach einem Jahr bereits wieder verlassen – fürstlich belohnt mit einer Abfindung von 1,2 Millionen Franken.

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Der Ruf der Klinik ist wiederhergestellt. Für Sauter ist die Sache damit erledigt – für die Unileitung jedoch nicht: Sauter erhält einen Verweis, weil er den Dienstweg nicht eingehalten und eigenständige Nachforschungen unternommen habe.

Die Folge: Ein Lohnstufenanstieg wird ihm verweigert, was eine Kürzung seiner Rente bedeutet. «Bis ans Lebensende werde ich bei der Auszahlung meiner monatlichen Pension an diese leidige Geschichte erinnert», sagt Sauter. Und dies, obwohl er in der Sache vollständig Recht hatte: Grüssners Titelbetrug wurde kürzlich in der angesehenen Chirurgenzeitschrift «Annals of Surgery» publik gemacht.